Produktfotografie – Weinflasche mit Glas und Käse

Im ersten Tutorial zum Thema Produktfotografie geht es um die Aufnahme und Postproduktion eines Tabletops mit zwei Weinflaschen, Glas und Käse – ein Arrangement, welches in der Food-Fotografie häufig zum Einsatz kommt. Sie haben bestimmt schon einige gut produzierte Werbekampagnen bewundert, wo die Produkte schon auf dem Bild „lecker“ aussehen. Eine glaubhafte und verkaufsfördernde Darstellung der Lebensmittel in der Werbung ist eine Wissenschaft für sich und bei solchen Aufnahmen spielen viele Faktoren eine Rolle: Das Licht, die Auswahl des Hintergrundes und, natürlich, die Retusche in Photoshop. Unser Beispiel ist eine klassische Produktion, die für jeden Produktfotografen alltägliche Arbeit ist.

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Aufnahme

Die Aufnahme des Fotos auf dem Beispielbild erfolgte im Fotostudio. Food-Aufnahmen kann man natürlich auch „on location“ machen, diese werden aber meist auch mit dem mobilen Studioequipment aufgenommen. Für unser Tabletop wurde der weinrote Hintergrund verwendet, sehr passend zum Rotwein. Für weiße Weine eignen sich eher hellere Hintergründe mit dezenten Farben.

 

Für die Ausleuchtung des Motivs wurden 3 Blitzköpfe eingesetzt. Zwei mit Softboxen für die frontale Ausleuchtung des Arrangements und einer, ohne Softbox, für die Beleuchtung des Hintergrundes. Die Ausleuchtung eines eher dunklen Hintergrundes mit einem Blitzkopf gibt einen Verlauf von hell ins Dunkle, was bei solchen Aufnahmen sehr angenehm wirkt. Die Einstellungen der Blitzköpfe und der Kamera können Sie dem Schema entnehmen. Als Speicherformat für Produktfotos ist RAW am besten geeignet, weil Sie die Anpassung der Helligkeit, Farben und Schärfe besser unter Kontrolle haben als bei JPEG.

 

Postproduktion: Schritt 1

Öffnen Sie das Bild im RAW-Konverter von Photoshop und überprüfen Sie, ob das Bild gerade ausgerichtet ist, denn die perfekte Ausrichtung ist für eine Werbeaufnahme das A und O. Falls das Bild etwas schief geraten ist (was oft bei der Aufnahme ohne Stativ vorkommt), können Sie die Flaschen mit dem Ausrichten-Werkzeug gerade richten.

 

Schritt 2

Das Ausrichten-Werkzeug aktiviert automatisch das Freistellen-Werkzeug. Bei dieser Gelegenheit können Sie gleich den passenden Bildausschnitt wählen. Sie können den Ausschnitt entweder selbst bestimmen oder auf die festen Seitenverhältnisse des Werkzeugs zurückgreifen.

 

Schritt 3

Korrigieren Sie bei Bedarf die Beleuchtung im Dialog Grundeinstellungen und wechseln Sie dann zu der Palette Details. Hier beginnt das Nachschärfen des Bildes. Das Nachschärfen im RAW-Konverter ist sehr wichtig, da Sie hier die primäre Schärfe der Aufnahme definieren. Unabhängig davon, ob Sie später in Photoshop das Foto noch ein bisschen nachschärfen oder nicht, sollten Sie im RAW-Konverter passende Einstellungen festlegen. Für Tabletop-Aufnahmen eignen sich gut folgende Einstellungen: Betrag ca. 60-70, Radius ca. 0,8-1,0, Detail 20-40. Diese Werte beziehen sich auf die Bildgröße 13 Mio. Pixel (bei anderen Größen werden die Werte ein wenig abweichen).

 

Schritt 4

Öffnen Sie das Bild in Photoshop und beginnen Sie mit der Retusche. Sehr wichtig bei den Aufnahmen der Glasflächen ist, dass die Spiegelungen ästhetisch wirken. Bei der Aufnahme mit Softboxen kommt es zu verzerrten rechteckigen Spiegelungen, die nicht immer erwünscht sind. In unserem Beispiel wurden die Spiegelungen im oberen Teil des Weinglases im Originalzustand gelassen und die Reflexionen im gefüllten Teil wegretuschiert. Zum Abdecken der Lichtreflexe verwenden Sie Kopien der Flächen ohne Spiegelungen, die Sie mit dem Auswahlrechteck-Werkzeug auf einer neuen Ebene als Kopie angelegt haben. Die Kanten der Ebenen können Sie mit dem Verlaufs-Werkzeug auf der Ebenenmaske weichmachen, sodass diese nicht sichtbar sind.

 

Schritt 5

Statt Softbox-Reflexionen können Sie eigene Spiegelungen hinzufügen, die Sie in der Farbe und Form frei gestalten können. In diesem und weiteren Schritten wird die Erstellung solcher Reflexionen erklärt. Erstellen Sie mit dem Lasso-Werkzeug eine Auswahl wie auf dem Screenshot. Versuchen Sie dabei, die Rundung des Glases zu berücksichtigen. Die genaue Rundung ist mit dem Lasso-Werkzeug kaum zu erstellen, deshalb wird die Form später optimiert. Erstellen Sie eine neue leere Ebene und füllen Sie den erstellten Auswahlbereich mit der Farbe, die Sie auf dem hellen Bereich des Hintergrundes aufnehmen können.

 

Schritt 6

Nachdem Sie die Fläche mit der Farbe gefüllt haben, können Sie die Auswahl aufheben (Strg+D). Erstellen Sie auf der Ebene mit der zukünftigen Spiegelung eine Ebenenmaske und passen Sie die Rundung der Farbfläche mit dem Pinsel-Werkzeug mit kleiner Pinselspitze an.

 

Schritt 7

Nachdem die Rundung auf der rechten Seite der Farbfläche optimiert wurde, können Sie die linke und die untere Seite der Farbfläche mit Maskierungsverläufen ausstatten. Verwenden Sie dazu das Verlaufs-Werkzeug mit der Option Vordergrund-Transparent und ziehen Sie zwei Verläufe, wie das auf dem Screenshot mit den Pfeilen gezeigt ist.

 

Schritt 8

Die Form der Farbfläche können Sie zusätzlich mit dem Verkrümmen-Werkzeug anpassen. Aktivieren Sie den Transformationsrahmen mit der Tastenkombination Strg+T und klicken Sie dann auf die Schaltfläche Verkrümmen. Die Linien der Gitterbox können Sie jetzt frei bewegen, bis die künstliche Spiegelungen die gewünschte Form bekommen hat. Bestätigen Sie dann die Transformation mit der Enter-Taste.

 

Schritt 9

Da die Farbfläche für eine Spiegelung zu intensiv eingefärbt ist, können Sie die Deckkraft der Ebene auf ca. 40% reduzieren.

 

Schritt 10

Bei einem Glas gibt es aber mehr als nur eine Spiegelung. Was tun? Sie können natürlich weitere Spiegelungen wie bereits beschrieben erstellen, oder einen einfacheren Weg gehen. Die erste Ebene mit der künstlichen Spiegelung können Sie zwei-drei Mal duplizieren, die Spiegelungen spiegeln (was für ein Wortspiel!), skalieren, die Formen verkrümmen und die Masken sowie die Deckkraft der einzelnen Ebenen anpassen. So kann das Glas mit vielen Formen richtig zum „Glänzen“ gebracht werden.

 

Schritt 11

Beim Fotografieren transparenter Gegenstände vor einem farbigen Hintergrund kommt es unvermeidlich zu den Farbverfälschungen. Das ist schade, weil die Farbe der Flaschen auch eine große Rolle spielt. Diese können Sie schnell wiederherstellen. Erstellen Sie mit dem Lasso-Werkzeug eine grobe Auswahl des Flaschenhalses (der Bereich, wo kein Wein zu sehen ist).

 

Schritt 12

Die erstellte Auswahl ist eine Grundlage für die Ebenenmaske der Einstellungsebene Schwarz-Weiß, die Sie jetzt erstellen können. Aktivieren Sie im Dialog Schwarz-Weiß die Option Farbton und wählen Sie einen grünen Farbton, passend zu der Farbe der Flasche (vor einem weißen Hintergrund). Natürlich können Sie die Farbe der Flasche frei definieren, diese sollte aber authentisch wirken. Wenn Sie im Dialog Schwarz-Weiß die Option In-Bild-Korrektur aktivieren, können Sie die Helligkeit der Flasche direkt im Bild steuern.

 

Schritt 13

Die Kante der Maske der Einstellungsebene Schwarz-Weiß soll noch angepasst werden. Das können Sie mithilfe des Pinsel-Werkzeugs durchführen, genauso wie auf der Maske einer Pixelebene. Wählen Sie eine kleine Pinselspitze und maskieren Sie die überflüssigen Stellen der Einstellungsebene Schwarz-Weiß.

 

Schritt 14

Wenn Sie mit der Helligkeit des gefärbten Bereiches der Flasche nicht ganz zufrieden sind, können Sie eine weitere Einstellungsebene mit vorhandenen Maske erstellen. Dazu soll die Maske der Einstellungsebene Schwarz-Weiß zuerst geladen werden. Klicken Sie zum Laden der Maske auf die Maske der Einstellungsebene Schwarz-Weiß bei gedrückter Strg-Taste.

 

Schritt 15

Wählen Sie in der Korrekturenpalette die Einstellungsebene Tonwertkorrektur. Diese bekommt genau so eine Maske wie die Einstellungsebene Schwarz-Weiß. Im Dialog Tonwertkorrektur können Sie den mittleren Regler im Bereich Tonwertspreizung nach links zum Aufhellen des grünen Bereiches bewegen. Zum Abdunkeln bewegen Sie den Regler nach rechts.

 

Schritt 16

Auch die Flaschenetiketten sollen angepasst werden. Auch bei der korrekten Beleuchtung ist das Papier des Etiketts nicht hell genug. Besonders bei den Aufnahmen vor einem farbigen Hintergrund treten Farbstiche sehr häufig auf. Grenzen Sie mit dem Auswahlrechteck-Werkzeug die Fläche des Etiketts ein.

 

Schritt 17

Die erstellte Auswahl wird sofort nach dem Erzeugen der Einstellungsebene Tonwertkorrektur zu einer Maske. Wenn Sie den mittleren Regler in dem Bereich Tonwertspreizung nach links bewegen, wird das Flaschenetikett heller.

 

Schritt 18

Genauso wird das zweite Etikett aufgehellt, vielleicht nicht so intensiv wie bei der vorderen Flasche. Die Kanten der Masken auf den Einstellungsebenen Tonwertkorrektur können Sie mithilfe des Verlaufs-Werkzeugs oder des Pinsel-Werkzeugs optimieren. Damit ist die Anpassung der Flaschen abgeschlossen.

 

Schritt 19

Auch andere Produkte des Arrangements, wie zum Beispiel der Käse, sollen appetitlich aussehen und zum Kaufen animieren. Die Anpassung des Käses erfolgt in mehreren Durchgängen. Erstellen Sie zuerst eine Auswahl vom Käse und erzeugen Sie dann in der Ebenenpalette eine Einstellungsebene Tonwertkorrektur, in der Sie die Helligkeit zuerst anheben. Bewegen Sie im Bereich Tonwertspreizung den rechten und den mittleren Regler nach links, wie das auf dem Screenshot gezeigt ist.

 

Schritt 20

Laden Sie die Maske der Einstellungsebene als Auswahl, indem Sie bei gedrückter Strg-Taste auf die Maske klicken.

 

Schritt 21

Erstellen Sie mit geladener Maske eine Einstellungsebene Farbbalance, wo Sie im Bereich Mitteltöne die Werte für Rot und Gelb verstärken. Der Käse bekommt eine „reifere“ Farbe. Diese sollte aber nur auf dem rechten Teil des Käses zu sehen sein. Deshalb wird der linke Teil mit dem Verlaufs-Werkzeug maskiert (s. Pfeil auf dem Screenshot).

 

Schritt 22

Laden Sie erneut die Maske der Einstellungsebene Tonwertkorrektur und dunkeln Sie jetzt den Bereich mit dem Käse ab. Jetzt ist es gefragt, dass der linke Bereich des Käses dunkler wird – maskieren Sie den rechten Teil mit dem Verlaufs-Werkzeug.

 

Schritt 23

Auf gleiche Art können Sie auch die Farbe und den Kontrast des Korkens intensivieren und optimieren. Zuerst wird eine Auswahl mit dem Auswahlwerkzeug wie Lasso oder Schnellauswahlwerkzeug erstellt. Diese dient dann als Maske für die Einstellungsebenen Tonwertkorrektur und Farbbalance.

 

Schritt 24

Nachdem Sie die Änderungen durchgeführt haben, können Sie eine Kopie von allen Ebenen auf einer Ebene erstellen. Benutzen Sie dazu die Tastenkombination Strg+Alt+Umschalt+E.

 

Schritt 25

Die Ebene mit den „gesammelten Werken“ können Sie zum Beispiel zum Nachschärfen des Bildes nutzen. Zwar haben Sie schon im RAW-Konverter die erste Nachschärfung durchgeführt, aber bei jeder Korrektur (und davon haben Sie einige durchgeführt) geht die Schärfe ein bisschen verloren, deshalb ist es kein Fehler, das Endergebnis etwas zu schärfen. Wählen Sie Filter>Scharfzeichnungsfilter>Unscharf maskieren. Nehmen Sie die Werte wie folgt: Stärke 50%, Radius 2 Pixel, Schwellenwert 1 Stufe.

Autor: Pavel Kaplun

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