Produktfotografie – Schuhe

Wenn ich Schuhe fotografiere, denke ich immer an „Sex and the City“ und an die Unmengen Geld, die einige Frauen für Schuhe ausgeben. Deshalb ist es für jeden Fotografen eine Herausforderung, Schuhe richtig zu fotografieren und dann entsprechend in Szene zu setzen. Wenn es vom Auftraggeber nicht anders verlangt ist, sind Sie immer auf der sicheren Seite, wenn Sie den Schuh auf einem hellen Hintergrund fotografieren – ist auf jeden Fall leichter freizustellen. Was die Postproduktion angeht, haben Sie nach der Freistellung alle Möglichkeiten, das Bild zu optimieren. So kann aus einem einzigen Produktfoto eine Reihe von Aufnahmen gemacht werden, wo Sie zum Beispiel die Farbe der Oberfläche verändern können und dem Kunden so die Option geben, für den Katalog schon die Farbpalette der Schuhe zu verwenden, bevor die Produktion richtig gestartet wurde. Und natürlich ist es sehr wichtig, das Produkt im richtigen Licht zu präsentieren. Kleine Fehler, Flecken, Unebenheiten, etc. haben auf einem gut produzierten Werbefoto nichts zu suchen und sollten mit großer Sorgfalt bearbeitet werden.

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Aufnahme im Studio

Die Aufnahme im Studio erfolgte nach einem für Produktfotografie typischen Szenario. Der Schuh wurde auf dem Produktaufnahmetisch platziert. Die Beleuchtung wurde mit 2 Blitzköpfen mit Softboxen gemacht, damit keine starken Schatten zu sehen sind. Die Einstellungen der Kamera und der Blitzköpfe entnehmen Sie dem Screenshot.

 

Postproduktion Schritt 1

Nach der RAW-Konvertierung sollte der Schuh zuerst freigestellt werden. Die Freistellung der Objekte bei der Produktfotografie soll möglichst genau erfolgen, denn jeder Fehler, jede falsche Kante stechen dem Betrachter sofort ins Auge und verderben den Eindruck. Stellen Sie den Schuh mit dem Zeichenstift-Werkzeug frei und legen Sie das freigestellte Objekt auf eine neue Ebene mit der Tastenkombination Strg+J.

 

Schritt 2

Besonders bei Schuhen mit reflektierender Oberfläche entstehen oft Lichtflecken, die nicht immer vorteilhaft wirken. Diese können Sie in zwei Durchgängen bearbeiten. Zuerst mit dem Kopierstempel-Werkzeug. Nehmen Sie eine Werkzeugspitze mit einer Größe von ca. 150-200 Pixel, Härte=0, Deckkraft 100% und bearbeiten Sie die Stellen, die besonders starke Reflexionen aufweisen. Zwar kommt es dabei zu Fleckenbildung, aber diese können Sie im nächsten Durchgang minimieren.

 

Schritt 3

Die durch die Benutzung vom Kopierstempel-Werkzeug entstandenen Flecken und weitere Lichtreflexionen können mit dem Ausbessern-Werkzeug bearbeitet werden. Nehmen Sie die Option Quelle, wählen Sie die Flecken aus und ziehen Sie die ausgewählten Bereiche auf die Stellen, die eine gute Lederstruktur haben.

 

Schritt 4

Sehr wichtig ist auch, dass im Schuhinneren alles glatt ist. Auch bei qualitativ hochwertigen Schuhen kommt es zu Wölbungen und Falten im inneren Bereich des Schuhs. Diese wirken in der Werbung nicht besonders gut – deshalb: weg damit! Die fehlerhaften Stellen können Sie auch mit dem Ausbessern-Werkzeug bearbeiten.

 

Schritt 5

Auch wenn es nicht immer wahr ist, was die Werbung zeigt, sieht ein bearbeitetes Bild besser aus als die Realität – schließlich wollen alle Firmen Ihre Ware verkaufen. Das trifft auch bei Schuhen zu. Die Form des Schuhs muss perfekt sein. Kleine Dellen und Unebenheiten können Sie mit dem Verflüssigen-Werkzeug korrigieren. Korrigieren Sie im Dialog Verflüssigen die Kanten des Schuhs, sodass diese eine optimale Form haben.

 

Schritt 6

Für weitere Korrekturen brauchen Sie den Schuh auf einem weißen Hintergrund – erstellen Sie unter der Ebene mit dem freigestellten Schuh eine neue Füllebene Volltonfarbe. Definieren Sie im Dialog die Farbe Weiß.

 

Schritt 7

Jetzt geht es um das Innenleben des Schuhs. Machen Sie mit dem Zeichenstift-Werkzeug einen Pfad um den Innenbereich des Schuhs, den Sie nachher in eine Auswahl umwandeln. Genauso wie bei der Freistellung des Schuhs arbeiten Sie am effektivsten, wenn Sie die Bildansicht auf ca. 300% vergrößern.

 

Schritt 8

Wenn der Pfad fertig ist, wandeln Sie den Pfad in eine Auswahl um, indem Sie mit der rechten Maustaste aus dem Kontextmenü die Option Auswahl erstellen wählen. Im Bereich Rendern können Sie eine weiche Auswahlkante von 0,5 Pixel wählen.

 

Schritt 9

Die erstellte Auswahl soll als Maske für die Einstellungsebene Tonwertkorrektur und später auch für weitere Einstellungsebenen dienen. Mit der Einstellungsebene Tonwertkorrektur werden Sie den inneren Bereich des Schuhs aufhellen, sodass das Leder edler wirkt.

 

Schritt 10

Das Leder wirkt angenehmer, wenn es eine etwas wärmere Farbe hat. Das können Sie schnell mit einer weiteren Einstellungsebene erreichen. Laden Sie zuerst die Maske der Einstellungsebene Tonwertkorrektur als Auswahl, indem Sie bei gedrückter Strg-Taste auf die Maske der Einstellungsebene Tonwertkorrektur klicken. Erstellen Sie dann eine Einstellungsebene Farbbalance, wo Sie im Bereich Mitteltöne die Werte für Rot und Gelb leicht erhöhen.

 

Schritt 11

Jetzt wird die Struktur des Futters verbessert, sodass das Leder richtig weich und edel aussieht. Laden Sie wieder die Auswahl von einer der Einstellungsebenen und erstellen Sie in der Ebenenpalette über den Einstellungsebenen eine leere neue Ebene. Füllen Sie diese Ebene mit 50% Grau.

 

Schritt 12

Wählen Sie Filter>Rauschfilter>Rauschen hinzufügen. Im Dialog Rauschen hinzufügen wählen Sie eine Stärke von ca. 35-40%, Verteilung Gleichmäßig und aktivieren Sie die Option Monochromatisch.

 

Schritt 13

Ändern Sie die Ebenenfüllmethode für die Ebene mit dem Rauschen auf Weiches Licht. Das Futter des Schuhs bekommt eine angenehm samtige Struktur.

 

Schritt 14

Nachdem Sie das Futter des Schuhs bearbeitet haben, können Sie sich mit dem Lederbezug (außen) beschäftigen. Dieser sollte auch optimiert werden. Laden Sie die Auswahl der Maske der Einstellungsebene Tonwertkorrektur oder Farbbalance und kehren Sie die Auswahl um (Strg+Umschalt+I).

 

Schritt 15

Erstellen Sie eine weitere Einstellungsebene Tonwertkorrektur mit einer Schnittmaske, sodass die Wirkung der Tonwertkorrektur nur auf die Pixelebene mit dem freigestellten Schuh beschränkt wird. Im Dialog Tonwertkorrektur können Sie den Kontrast des Leders verstärken, indem Sie im Bereich Tonwertspreizung den weißen und den schwarzen Regler Richtung Mitte bewegen. Zusätzlich können Sie die Helligkeit des Schuhs erhöhen, indem Sie den mittleren Regler im Bereich Tonwertspreizung nach links bewegen.

 

Schritt 16

Durch die Anpassung der Tonwerte wurde nicht nur das Leder heller gemacht, sondern auch der Absatz. Dieser sollte später mit anderen Einstellungen optimiert werden, deshalb ist es sinnvoll, die Einstellungsebene Tonwertkorrektur an der Stelle mit dem Absatz zu maskieren. Verwenden Sie für die Maskierung schwarze Farbe und das Pinsel-Werkzeug mit einer Pinselspitze passender Größe.

 

Schritt 17

Den Absatz, der aus Metall ist, können Sie separat bearbeiten. Dabei wird die Farbe des Absatzes „goldiger“ gemacht und der metallische Glanz verstärkt. Erstellen Sie mit dem Lasso-Werkzeug eine grobe Auswahl von dem Absatz.

 

Schritt 18

Die Auswahl benutzen Sie als Maske für die Einstellungsebene Farbbalance. Im Dialog Farbbalance verstärken Sie die Werte für Rot und Gelb, sodass der Absatz eine goldene Farbe bekommt. Die Einstellungsebene sollte mit einer Schnittmaske angelegt werden. Passen Sie die Maske mit dem Pinsel-Werkzeug an, sodass die Kanten des Absatzes sauber sind.

 

Schritt 19

Duplizieren Sie die Einstellungsebene Farbbalance und ändern Sie die Werte in der Kopie so, wie das auf dem Screenshot gezeigt ist. Die Bereiche Blau und Grün sollen verstärkt werden. Ändern Sie jetzt die Ebenenfüllmethode dieser Einstellungsebene auf Weiches Licht. Damit erreichen Sie optimalen Kontrast für die Darstellung metallischer Oberflächen. Die Optimierung des Schuhs ist somit fertig.

 

Schritt 20

Jetzt geht es darum, den Schuh elegant auf der Bildfläche zu präsentieren. Die Bildfläche des Originals ist etwas zu klein für eine Präsentation, Sie können diese aber erweitern. Wählen Sie Bild>Arbeitsfläche. Erweitern Sie die Arbeitsfläche z.B. relativ um je 10 cm.

 

Schritt 21

Jetzt können Sie die Füllebene Volltonfarbe, die zwischen dem Originalbild und der Ebene mit dem freigestellten Schuh liegt, einfach löschen, diese brauchen Sie nicht mehr.

 

Schritt 22

Der Hintergrund sieht noch nicht optimal aus und soll jetzt so angepasst werden, dass der Eindruck entsteht, der Schuh steht auf einer reinweißen Fläche, hat aber die Schatten von dem Originalfoto. Erstellen Sie über der Hintergrundebene eine Einstellungsebene Tonwertkorrektur. Wählen Sie im Dialog Tonwertkorrektur die weiße Pipette und klicken Sie damit auf eine helle Stelle in dem Originalbild. Diese helle Stelle wird als Weiß definiert und Sie sind somit Ihrem Ziel schon wesentlich näher.

 

Schritt 23

Da noch einige unschöne Bereiche von dem Originalbild zu sehen sind, können Sie diese jetzt auf folgende Art korrigieren: erstellen Sie über der Einstellungsebene Tonwertkorrektur eine neue leere Ebene. Wählen Sie das Verlaufswerkzeug mit der Option Vordergrund-Transparent, weiße Vordergrundfarbe und ziehen Sie vier Verläufe von den Seiten in Richtung Mitte.

 

Schritt 24

Falls der Hintergrund einen Farbstich hat, können Sie den mit der Einstellungsebene Schwarz-Weiß beheben. Erstellen Sie unter der Ebene mit den weißen Verläufen die Einstellungsebene Schwarz-Weiß und passen Sie mit der Funktion In-Bild-Korrektur die Tonwerte direkt auf der Arbeitsfläche an. Falls der Schatten jetzt zu „schwarz-weiß“ aussieht und somit zu steril wirkt, können Sie die Deckkraft der Einstellungsebene reduzieren.

 

Schritt 25

Im Grunde sind Sie jetzt mit der Gestaltung fertig, aber ganz am Anfang habe ich die Option erwähnt, mit der Sie die Farbe des Leders in nur wenigen Sekunden ändern können. Laden Sie die Auswahl der Maske der Einstellungsebene, mit der Sie den Kontrast des Leders (außen) angepasst haben, das war die Einstellungsebene Tonwertkorrektur.

 

Schritt 26

Erstellen Sie eine weitere Einstellungsebene Schwarz-Weiß und aktivieren Sie die Option Farbton.

 

Jetzt können Sie den Schuh in eine andere Farbe umfärben.

Autor: Pavel Kaplun

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