Produktfotografie – Kosmetik-Tabletop mit Reflektor fotografieren

Die meisten hier angebotenen Tutorials beschreiben Produktfotografie im Studio, wo professionelles Studioequipment wie Blitzköpfe, Softboxen und Produktaufnahmetische zum Einsatz kommen. Was tun aber, wenn kein Studio zur Verfügung steht? Es geht auch ohne Studio. Bei ganz normalem Tageslicht können Sie eine perfekte Lichtsituation gestalten, mit der Sie Produktfotos so hinbekommen, dass diese der Qualität der Studiofotos im nichts nachstehen. Dazu brauchen Sie ein Minimum an Ausstattung. In unserem Beispiel kamen, was professionelle Ausstattung angeht, lediglich ein Stativ und ein Reflektor zum Einsatz. Wichtig sind ein perfektes Arrangement der Produkte, wenn es um mehrere Objekte auf dem Tabletop geht, und eine gekonnte Postproduktion in Photoshop.

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Aufnahme

Die Aufnahme erfolgte bei Tageslicht auf der Terrasse. Ein Tisch wurde an die Wand gestellt und als schattenloser Hintergrund diente ein Bogen Fotokarton (Farbe Creme, oder Hautfarbe, Kostenpunkt EUR 0,60), der an der Wand mit zwei Streifen Tesafilm befestigt wurde, sodass die Hälfte des Bogens an der Wand hängt und die andere Hälfte auf dem Tisch liegt. Das Licht (dabei geht es um Streulicht – Tageslicht) kam von oben und von rechts. Damit die Produktgruppe auch von links genug Licht bekommt, wurde ein Reflektor der Marke California Sunbounce mini mit der Bespannung Zebra links ca. 50 cm von der Produktgruppe aufgestellt. Es ist nicht zwingend erforderlich, einen teuren Reflektor zu nehmen, ein preiswerter Reflektor (z.B. Walimex) liefert ebenso gutes Licht. Die Kamera wurde auf dem Stativ befestigt, um Verwacklungen zu vermeiden. Beim Fotografieren von Produkt-Tabletops ist es sinnvoll, einen Kabel- oder IR-Auslöser zu benutzen, ebenfalls um Verwacklungen zu minimieren. Wenn Sie keinen von beiden haben, können Sie den Selbstauslöser der Kamera benutzen. Bei der EOS 500D von Canon gibt es einen Selbstauslöser mit zwei Zeitintervallen: 2 und 10 Sekunden. Wählen Sie 2 Sek. Fotografieren Sie mit einer kleinen Blende (ab 8.0), niedriger ISO-Zahl (bis 250, um das Rauschen so minimal wie möglich zu halten) und stellen Sie als Aufzeichnungsformat RAW ein.

 

Postproduktion

Schritt 1

Öffnen Sie das Bild im RAW-Konverter der Kamera und machen Sie in der Palette Grundeinstellungen folgende Anpassungen: Erhöhen Sie die Helligkeit und verstärken Sie minimal den Wert für Schwarz. Heben Sie die Klarheit an und erhöhen Sie die Dynamik. Nach diesen Anpassungen wirkt das Bild wesentlich freundlicher und wärmer.

 

Schritt 2

Wechseln Sie zu der Palette Details und setzen Sie im Bereich Schärfen den Radius auf 60-70 und Detail auf 30-40. Falls Sie eine höhere ISO-Zahl beim Fotografieren benutzt haben und Rauschen aufgetreten ist, können Sie das Rauschen mit dem Regler Luminanz reduzieren. Um das Rauschen besser kontrollieren zu können, vergrößern Sie die Bildansicht auf 100%.
Öffnen Sie das Bild in Photoshop.

 

Schritt 3

Sollte das Bild noch etwas zu dunkel wirken, können Sie in der Ebenenpalette eine Einstellungsebene Tonwertkorrektur erstellen und im Bereich Tonwertspreizung den rechten weißen Regler leicht nach links bewegen. Beachten Sie, dass bei dieser Korrektur helle Bereiche schnell überbelichtet werden können, kontrollieren Sie deshalb das Bild und reduzieren Sie ggf. die Deckkraft der Einstellungsebene Tonwertkorrektur. Wenn Sie mit der Helligkeit des Bildes jetzt zufrieden sind, können Sie eine Kopie von beiden Ebenen auf einer Ebene mit Strg+Alt+Umschalt+E erstellen.

 

Schritt 4

Spiegelungen in den Glasflächen (wie in unserem Beispiel das Fläschchen mit Nagellack) wirken nicht immer ästhetisch. Da, wo Sie die Lichtreflexe und Spiegelungen vermeiden wollen, können Sie diese mit dem Ausbessern-Werkzeug retuschieren. Wählen Sie für das Ausbessern-Werkzeug die Option Quelle, wählen Sie die Spiegelung aus und ziehen Sie die Auswahl auf eine Stelle mit „sauberen“ Pixeln.

 

Schritt 5

Helle Objekte des Arrangements, wie Steine in unserem Tabletop, erscheinen auf Fotos oft kontrastarm. Den Kontrast solcher Objekte können Sie selektiv verstärken. Erstellen Sie zuerst eine grobe Auswahl eines Objekts mit dem Lasso-Werkzeug. Diese Auswahl dient dann als Maske für eine Korrekturebene.

 

Schritt 6

Sie können die Korrekturebene Gradationskurve benutzen, um den Kontrast anzuheben. Positionieren Sie die Punkte auf der Kurve so, wie das auf dem Screenshot zu sehen ist. Die Wirkung der Einstellungsebene Gradationskurve wird auf den ausgewählten Bereich beschränkt. Passen Sie anschließend die Maske mit dem Pinsel-Werkzeug an.

 

Schritt 7

Die bunten Steine können Sie in der Farbintensität verstärken. Erstellen Sie für den lila Stein ebenfalls zuerst eine grobe Auswahl mit dem Lasso-Werkzeug.

 

Schritt 8

Erzeugen Sie in der Ebenenpalette eine Einstellungsebene Farbbalance, die Maske wird von der Auswahl übernommen. Verstärken Sie im Bereich Mitteltöne die Werte für Blau und Magenta.

 

Schritt 9

Die Spitze des Lippenstifts kann in der Farbe intensiviert werden. Sie können ebenfalls zuerst eine Auswahl mit dem Lasso-Werkzeug erstellen und dann eine Einstellungsebene Tonwertkorrektur erzeugen. Im Bereich Tonwertspreizung bewegen Sie die äußeren Regler Richtung Mitte und den mittleren Regler nach links.

 

Schritt 10

Mit dem Pinsel-Werkzeug (schwarze Farbe, Pinselgröße ca. 20 Pixel, Härte=0) passen Sie die Maske der Einstellungsebene Tonwertkorrektur an.

 

Schritt 11

Dem Lippenstift können Sie noch einen zusätzlichen Glanz verleihen. Erstellen Sie aus allen in der Ebenenpalette enthaltenen Ebenen eine „Sammelkopie“ mit Strg+Alt+Umschalt+E. Machen Sie mit dem Auswahlrechteck-Werkzeug eine Auswahl des Bereiches der Lippenstiftspitze, kopieren Sie diese mit Strg+J auf eine neue Ebene und löschen Sie anschließend die darunterliegende Ebene (Sammelkopie). Wählen Sie für die obere Ebene Filter>Sonstige Filter>Hochpass. Stellen Sie im Dialog Hochpass den Radius ca. 5 Pixel ein.

 

Schritt 12

Ändern Sie die Ebenenfüllmethode für die Ebene mit dem Hochpass auf Strahlendes Licht und reduzieren Sie die Deckkraft der Ebene auf ca. 60%. Maskieren Sie die Kanten der Lippenstiftspitze, damit der weiße Rand (verursacht durch Hochpass) verschwindet.

 

Schritt 13

Wechseln Sie in der Ebenenpalette zu der Einstellungsebene Farbbalance, mit der Sie die Farbe des lila Steines intensiviert haben. Sie können auch weitere Steine mit dieser Einstellungsebene färben. Nehmen Sie dazu den Pinsel mit weißer Farbe und demaskieren Sie die Bereiche, wo die Wirkung der Einstellungsebene wieder aktiviert werden soll.

 

Schritt 14

Ganz kompliziert ist eine korrekte Darstellung der Logos und Schriften auf den Produktfotos. Meistens kommen Sie ohne Nachzeichnen dieser Bildelemente nicht aus. Die Nachzeichnung machen Sie am besten mit dem Zeichenstift-Werkzeug. Vergrößern Sie die Bildansicht auf ca. 300% und zeichnen Sie die Konturen der Logos und der Texte nach.

 

Schritt 15

Nachdem Sie den Pfad erstellt haben, können Sie ihn mit einem Rechtsklick in eine Auswahl umwandeln. Im Dialog Auswahl erstellen nehmen Sie einen kleinen Radius, ca. 0,5 Pixel.

 

Schritt 16

Wenn das Logo oder die Überschrift mit goldener Farbe auf dem Produkt gedruckt ist, können Sie Folgendes machen: Wählen Sie als Vordergrundfarbe die dunkelste Stelle auf dem Logo und als Hintergrundfarbe die hellste. Erstellen Sie im ausgewählten Bereich auf einer neuen leeren Ebene einen Verlauf Vordergrund-Hintergrund und anschließend Vordergrund- Transparent.

 

Schritt 17

Reduzieren Sie die Deckkraft der Ebene auf ca. 50-60%

 

Schritt 18

Wenn Sie zwei Objekte mit den gleichen Aufdrucken haben (Logo, Bezeichnung etc.), können Sie die Ebene mit dem nachgezeichneten Logo duplizieren und die Kopie über dem zweiten Objekt platzieren. Falls es perspektivisch nicht ganz zum zweiten Objekt passt, können Sie die Form des Logos mit dem Verzerren- oder Verkrümmen-Werkzeug über Bearbeiten> Transformieren anpassen.

 

Schritt 19

Sie können die Originallogos von dem Foto wegretuschieren und nur die Ebenen mit den nachgezeichneten Logos lassen, das sieht auf jeden Fall sauberer aus. Damit die Logos authentischer aussehen, können Sie diese mit dem Ebenenstil Abgeflachte Kante und Relief ausstatten.

 

Schritt 20

Nach dem Wegretuschieren der Originallogos kann es passieren, dass das neue Logo zu hell ist. Kein Problem, Sie können die Ebenen mit den nachgezeichneten Elementen mit z.B. Tonwertkorrektur etwas abdunkeln.

 

Schritt 21

Wenn Sie mit den Details des Bildes fertig sind, können Sie in nur wenigen Schritten einige Anpassungen durchführen, die dem Bild eine angenehme Atmosphäre verleihen. Besonders bei  Kosmetikprodukten sollten die Aufnahmen in einem warmen Licht erscheinen. Dazu eignet sich der Einsatz des Filters NIK Color Efex Pro>Brilliance/Warmth. Erhöhen Sie den Wert für Brillanz auf ca. 70% und Wärme auf ca. 60%. Die Ergebnisse erscheinen in der Ebenenpalette auf einer separaten Ebene.

 

Schritt 22

Mit dem Regler Deckkraft können Sie die Intensität des Filters Brilliance/ Warmth anpassen.

 

Schritt 23

Für mehr Kontrast sorgt der Einsatz der Einstellungsebene Schwarzweiß mit geänderter Ebenenfüllmethode. Im Dialog Schwarzweiß aktivieren Sie die Option In-Bild-Korrektur und bewegen Sie die Maus im Bild mit gedrückter Maustaste auf dem Nagellack-Fläschchen, sodass diese ziemlich hell wird.

 

Schritt 24

Ändern Sie die Ebenenfüllmethode der Einstellungsebene Schwarzweiß auf Weiches Licht.

 

Schritt 25

Wenn der Kontrast des Bildes zu stark angehoben wird, reduzieren Sie die Deckkraft der Einstellungsebene Schwarzweiß auf ca. 70%

 

Schritt 26

Bei manchen Kosmetik-Aufnahmen setzen die Fotografen absichtlich auf einen Karamell-Effekt. Diesen können Sie zum Beispiel mit einer Farbvignette am Rand des Bildes erreichen. Erstellen Sie in der Ebenenpalette eine Einstellungsebene Farbbalance. Verstärken Sie im Bereich Mitteltöne die Werte für Rot und Magenta.

 

Schritt 27

Füllen Sie die Maske der Einstellungsebene Farbbalance mit schwarzer Farbe und demaskieren Sie mit dem Verlaufs-Werkzeug die Ränder der Ebene, so dass farbige Ränder auf dem Foto entstehen.

 

Schritt 28

Das Endergebnis sollte vor der Ausgabe noch ein wenig nachgeschärft werden. Erstellen Sie eine Sammelkopie auf der obersten Ebene mit Strg+Alt+Umschalt+E. Wählen Sie Filter>Sonstige Filter>Hochpass. Definieren Sie im Dialog Hochpass den Radius ca. 2 Pixel.

 

Schritt 29

Ändern Sie die Ebenenfüllmethode für die Hochpass-Ebene auf Ineinanderkopieren. Falls die Schärfe zu stark ist, reduzieren Sie die Deckkraft der Ebene mit dem Hochpass.

 

Und so sieht unser Ergebnis aus:

Autor: Pavel Kaplun

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