Produktfotografie – Haushaltsgeräte

Der Begriff Haushaltsgeräte ist für dieses Tutorial natürlich zu weit gefasst, aber wir konzentrieren uns auf ein Gerät, welches in fast jedem Haushalt zu finden ist – ein Haar- und Bartschneider. So banal das Teil auch ist, eine effektvolle Werbepräsentation ist ohne gut produzierte Fotos nicht möglich. Sowohl bei der Aufnahme als auch bei der nachfolgenden Bearbeitung kommt es auf die Details und saubere Verarbeitung an. Denn egal, wie hoch die Qualität des Plastikgehäuses ist, bei genauem Betrachten des Bildes stellen Sie fest, dass es einige unsauber verarbeitete Flächen und Kanten gibt, die nicht besonders vorteilhaft wirken. Zurzeit steigt die ganze Werbeindustrie auf CGI um – in 3D-Programmen modellierte Ansichten, die keinerlei „Macken“ haben. Wenn Sie aber keine 3D-Datei von dem Produkt haben, bleibt Ihnen nichts anderes übrig als fleißige Arbeit erst im Studio und dann am Computer in Photoshop.

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Aufnahme im Studio

Die Aufnahmesituation für den Bartschneider ist sehr klassisch und unterscheidet sich kaum von den Einstellungen, die Sie auch für andere Produktfotos verwenden können. Sie brauchen einen Papierhintergrund; die Papierfarbe kann lightgrey bis grey sein. Zum Ausleuchten des Produktes benötigen Sie mindestens zwei Blitzköpfe mit Softboxen, die eine relativ schattenlose Beleuchtung liefern. Fotografieren Sie im RAW-Modus, damit Sie bei der Entwicklung das Maximum an Qualität aus dem Foto rausholen können.

 

Postproduktion – Schritt 1

Öffnen Sie das Bild im RAW-Konverter und führen Sie die Korrekturen in der Palette Grundeinstellungen durch. Bei den Plastik-Oberflächen kommt es oft zu Spiegelungen, die Sie hier minimieren können. Bewegen Sie dazu den Regler Reparatur nach rechts, bis die weißen Bereiche sichtbare Pixelstruktur bekommen. Die Stellen, die zu dunkel geraten sind, können Sie mit dem Regler Fülllicht mit mehr Struktur ausstatten. Für besseren Kontrast an den Kanten des Gerätes erhöhen Sie den Wert Klarheit auf ca. +60.

 

Schritt 2

Zum Nachschärfen des Bildes im RAW-Konverter öffnen Sie die Palette Details und erhöhen Sie den Betrag auf ca. 50-60 und Detail auf ca. 30-40. Jetzt können Sie das Bild in Photoshop öffnen.

 

Schritt 3

Stellen Sie das Gerät frei. Das können Sie entweder mit dem Lasso-Werkzeug oder mit dem Zeichenstift-Werkzeug machen. Erstellen Sie eine Ebene mit dem freigestellten Gerät. Beim Erstellen der Auswahl benutzen Sie eine weiche Auswahlkante mit einem Radius von ca. 0,5 Pixel.

 

Schritt 4

Falls auf dem Gerät irgendwelche Bezeichnungen sind, die Sie auf dem Foto nicht haben wollen (wie zum Beispiel Aufkleber etc.) können Sie diese problemlos abdecken. In unserem Beispiel wurde folgende Lösung verwendet. Eine neue leere Ebene wurde erstellt. Die Vordergrund- und Hintergrundfarben wurden mit dem Farbwähler an den Stellen aufgenommen, wo die Farben des Gehäuses relevant sind. Eine Auswahl der Stelle mit dem Aufkleber wurde mit dem Lasso-Werkzeug gezeichnet (auch mit einem Radius von ca. 0,5 Pixel für die weiche Auswahlkante). Mit dem Verlaufswerkzeug wurde die Auswahl auf der neu erstellten Ebene gefüllt. Sie können dazu die Option Vordergrund-Hintergrund und Vordergrund-Transparent für das Verlaufswerkzeug benutzen. Nach der Füllung wurde die Auswahl aufgehoben und die Struktur des Kunststoffs wurde mit dem Filter>Rauschfilter>Staub und Kratzer nachempfunden. In unserem Beispiel wurden Radius 1 und Schwellenwert 23 verwendet.

 

Schritt 5

Damit die Kanten der erstellten Ebene nahtlos in das Originalfoto übergehen, können Sie auf der Ebene eine Ebenenmaske erstellen und die Kanten dann auf der Maske mit dem Verlaufswerkzeug und dem Pinsel-Werkzeug bearbeiten.

 

Schritt 6

Die unsauber verarbeiteten Kanten des Gerätes (die ich in der Einleitung erwähnt habe) sind nur bei starker Vergrößerung sichtbar. Diese können Sie mit dem Pinsel-Werkzeug mit einer kleinen Pinselspitze begradigen. Wählen Sie die Farbe bei gedrückter Alt-Taste, erstellen Sie in der Ebenenpalette eine neue leere Ebene und zeichnen Sie die unsaubere Kante so nach, dass diese keine Unebenheiten mehr aufweist. Das ist eine Fleißarbeit und diese können Sie besser mit einem Grafiktablett erledigen.

 

Schritt 7

Falls Sie beim Nachzeichnen doch die eine oder andere Stelle nicht besonders gut hingekriegt haben, können Sie diese maskieren. Erstellen Sie auf der Ebene mit der nachgezeichneten Kante eine Ebenenmaske und bearbeiten Sie die Kante bei starker Vergrößerung mit dem Pinsel-Werkzeug und einer passenden Pinselspitze.

 

Schritt 8

Jetzt geht es um die „Lämpchen“. Haben Sie schon mal ein Foto hingekriegt, wo das Gerät mit eingeschalteten Kontrollanzeigen richtig überzeugend aussieht? Wahrscheinlich nicht. Wenn Sie das Gerät im Studio fotografieren wollen, dann können Sie die Lämpchen ganz und gar vergessen. Auf jedem derartigen Werbefoto sind die Lämpchen nachgezeichnet. Bei unserem Bartschneider werden wir die Ladekontrollanzeige auch nachzeichnen. Erstellen Sie mit dem Lasso-Werkzeug eine Auswahl der Ladeanzeige (am besten bei starker Vergrößerung der Bildansicht).

 

Schritt 9

Erstellen Sie eine Einstellungsebene Farbbalance. Die Auswahl wird in die Maske der Einstellungsebene umgewandelt. Verstärken Sie in den Bereichen Tiefen und Mitteltöne die Werte für Rot (ca. +100) und Gelb (ca. -50). Mit dieser Einstellung haben Sie den dunkelroten Ton der Anzeige erreicht.

 

Schritt 10

Als Nächstes erstellen Sie mit dem Lasso-Werkzeug eine etwas kleinere Auswahl als vorher und erzeugen Sie in der Ebenenpalette eine neue leere Ebene. Füllen Sie die Auswahl auf dieser Ebene mit gelber Farbe. Heben Sie die Auswahl auf.

 

Schritt 11

Erstellen Sie auf der Ebene mit der gelben Farbe eine Ebenenmaske und bearbeiten Sie die gelbe Form so, dass deren Kanten sehr weich werden, ungefähr so, wie das auf dem Screenshot gezeigt ist. Das „Lämpchen“ ist somit fertig.

 

Schritt 12

Das freigestellte Gerät auf einer Ebene und die Ebenen, die für die beschriebenen Korrekturen erstellt wurden, können Sie jetzt in eine Ebenengruppe zusammenfügen. Erstellen Sie von dieser Gruppe eine Kopie und fügen Sie diese zusammen (auf eine Ebene reduzieren).

 

Schritt 13

Für eine effektvolle Werbepräsentation wird oft mehr als eine Ansicht eines Produktes verwendet. In unserem Beispiel auch. Sie können die zweite Ansicht des Bartschneiders wie oben beschrieben freistellen und bearbeiten.

 

Schritt 14

Jetzt können Sie eine neue Arbeitsfläche für die Gestaltung erstellen. Wählen Sie Datei>Neu und definieren Sie die Auflösung 300 Pixel/Zoll und die Größe der Arbeitsfläche von 30×20 cm.

 

Schritt 15

Die erstellte Arbeitsfläche hat einen weißen Hintergrund. Den können Sie entweder mit schwarzer Farbe füllen oder mit Strg+I die weiße Farbe in Schwarz umkehren.

 

Schritt 16

Verschieben Sie die zusammengefügten Ebenen mit den Geräten (unter „zusammengefügt“ sind die Ebenen mit den freigestellten Geräten und dazugehörigen Korrekturebenen gemeint, die aus den Ebenengruppen zusammengefügt wurden) und positionieren Sie diese so, wie das auf dem Screenshot gezeigt ist.

 

Schritt 17

Sehr wichtig bei Werbeanzeigen ist, dass alles „gerade“ ist (wenn nicht anders gewollt). Richten Sie die Objekte, die vertikal oder horizontal liegen, an Hilfslinien aus, die Sie aus den Linealen an den Seiten des Fensters herausziehen können.

 

Schritt 18

Passen Sie die Beleuchtung der Objekte dem neuen Hintergrund an. Unser Gerät wurde auf einem hellen Hintergrund aufgenommen, d.h., die Ebene mit dem freigestellten Gerät ist an den Rändern etwas zu hell. Erstellen Sie über der ersten Ansicht eine Einstellungsebene Tonwertkorrektur mit einer Schnittmaske und dunkeln Sie die Ebene mit dem Gerät ab. Die Einstellungen im Dialog Tonwertkorrektur entnehmen Sie dem Screenshot.

 

Schritt 19

Füllen Sie die Maske der Einstellungsebene Tonwertkorrektur mit schwarzer Farbe (die Wirkung der Einstellungsebene wird vorerst aufgehoben) und demaskieren Sie dann die Kanten der Ebene mit einem breiten weichen Pinsel mit weißer Farbe.

 

Schritt 20

Für die zweite Ansicht können Sie die gleichen Einstellungen verwenden, nur mit der angepassten Maske. Duplizieren Sie die Einstellungsebene Tonwertkorrektur, platzieren Sie die Kopie über der Ebene mit der zweiten Ansicht, aktivieren Sie die Schnittmaske (beim Kopieren und Verschieben der Einstellungsebene geht diese verloren) und füllen Sie die Maske mit schwarzer Farbe. Passen Sie dann die Maske mit dem Pinsel und weißer Farbe an, wie das im vorherigen Schritt beschrieben wurde.

 

Schritt 21

Unter der linken Ansicht, bei dem Kammaufsatz, können Sie so eine Art künstliche Beleuchtung erstellen. Wählen Sie das Auswahlrechteck-Werkzeug und zeichnen Sie ein Rechteck, wie das auf dem Screenshot zu sehen ist. Erstellen Sie unter der Ebene mit dem Gerät eine neue leere Ebene und füllen Sie diese mit hellblauer Farbe. Heben Sie die Auswahl mit Strg+D auf.

 

Schritt 22

Erstellen Sie auf der Ebene mit der „Beleuchtung“ eine Ebenenmaske und maskieren Sie mit dem Verlaufswerkzeug die Kanten der Ebene, sodass diese sehr weich werden.

 

Schritt 23

Der schwarze Hintergrund wird mit lamellenartigen Formen für willkommene Abwechslung sorgen. Wählen Sie das Polygonlasso-Werkzeug und zeichnen Sie damit eine Auswahl wie auf dem Screenshot gezeigt.

 

Schritt 24

Erstellen Sie über der Ebene mit dem schwarzen Hintergrund eine neue leere Ebene und füllen Sie die Auswahl mit einem Verlauf (s. Screenshot). Für das Verlaufswerkzeug wählen Sie die Option Vordergrund-Transparent. Als Vordergrundfarbe können Sie einen grünblauen Ton nehmen. Heben Sie die Auswahl auf.

 

Schritt 25

Erstellen Sie auf der Ebene mit der gezeichneten Form eine Ebenenmaske und maskieren Sie die Kanten der Form von links und von rechts.

 

Schritt 26

Eine „Lamelle“ sieht ziemlich traurig aus, deshalb duplizieren Sie die Ebene mit der Lamelle, positionieren Sie die Kopien untereinander und ändern Sie den Winkel für jede Lamelle so, dass diese eine Fächerform bekommen.

 

Schritt 27

Reduzieren Sie die Deckkraft der Lamellen auf ca. 60%, sonst wirken diese zu dominant und lenken vom Hauptmotiv ab.

 

Schritt 28

Falls die Verläufe immer noch zu intensiv wirken, …

 

… können Sie diese in eine Ebenengruppe zusammenfügen und die Deckkraft der kompletten Gruppe reduzieren.

Autor: Pavel Kaplun

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