Porträtfotografie: Dezente Beautyretusche

„Weniger ist mehr“, hört man immer wieder. Für die Bildbearbeitung ist das die Regel Nr. 1. Für die Beautyretusche wichtiger denn je. Im ersten Porträt-Tutorial über Charakterporträts habe ich erklärt, wie die Bildbearbeitung die Aussage des Porträts durch Schärfe, Licht und Schatten verstärken kann – ein typisches Beispiel eines Männerporträts. Diesmal geht es um eine gute Mischung aus Beauty- und Glamourretusche mit einfachen, aber dennoch effektiven Mitteln, mit denen ihr ohne zu übertreiben ein Porträt im Stile der Hochglanzmagazine kreieren könnt. Die Techniken, die ihr in diesem Tutorial lernt, könnt ihr sowohl für Frauen- als auch für Männerporträts verwenden, die für hochwertige Ausgaben vorgesehen sind – Plakate, Titelseiten von Zeitschriften, etc. Lernt nun die Beautyretusche mit Stil – dezente Korrekturen für Schönheit und Individualität.

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Schritt 1

Beginnen wir nun mit der Aufnahme. Vor der Aufnahme erfolgte ein Styling durch eine professionelle Visagistin – dann gleich ins Fotostudio. Es wurden mehrere Aufnahmen mit verschiedenen Hintergründen gemacht, wobei die Lichtsituation sich kaum verändert hat. Für dunklere Hintergründe wurde die ISO-Zahl erhöht, alternativ kann die Blende um 1-2 Stufen geöffnet werden. Für  unser Beispiel habe ich dann das Foto mit dem light grey Hintergrund ausgesucht – eine optimale Wahl für Porträts, wo später ein anderer Hintergrund eingefügt werden soll. Für die Beleuchtung wurden drei Blitzköpfe mit Softboxen verwendet, die eine ausgewogene Beleuchtung geliefert haben. Die Hauptlichtquelle befindet sich (von uns gesehen) links und hat eine höhere Leistung als die anderen beiden Blitze. Die Aufnahme erfolgte im RAW-Format.

 

Schritt 2

Ab hier beginnt die Entwicklung im RAW-Konverter. Diese können Sie durchführen, wenn Sie eine eigene RAW-Datei benutzen. Die downloadbare Beispieldatei wurde bereits in JPEG konvertiert. Die Entwicklung im RAW-Konverter können Sie entweder in dem Programm Ihres Kameraherstellers durchführen oder Sie greifen auf den RAW-Konverter von Photoshop zurück. Beginnen Sie mit dem Weißabgleich. Wenn Sie mit dem neutralgrauen Hintergrund arbeiten, können Sie mit der Weißabgleich-Pipette des Konverters auf den Hintergrund klicken und weitere Anpassungen der Farbtemperatur in der Palette Grundeinstellungen durchführen. Verwenden Sie dazu die Regler Farbtemperatur und Farbton. Passen Sie die Beleuchtung ebenfalls in der Palette Grundeinstellungen an.

 

Schritt 3

Eine weitere Anpassung im RAW-Entwickler erfolgt in der Palette Details. Hier können Sie das Bild nachschärfen. Für Porträts ist der Wert 50-60 für den Regler Betrag optimal. Mit dem Radius 0,7 bis 1,0 werden feine Details wie Haare und Hautstruktur angesprochen. Zusätzlich können Sie die Schärfe mit dem Regler Detail verstärken, aber bei Porträts dieser Art ist eher die Standardeinstellung von 25 zu empfehlen.

 

Schritt 4

Jede Beautyretusche beginnt mit den Korrekturen der kleinen Hautfehler. Verwenden Sie dazu ein Korrekturwerkzeug Ihrer Wahl. Zur Verfügung stehen Bereichsreparaturpinsel-Werkzeug, Reparaturpinsel-Werkzeug und Ausbessern-Werkzeug. Wenn nur wenige Korrekturen erforderlich sind und die Hautfehler (Pickel oder Flecken) minimal sind, können Sie mit dem Bereichsreparaturpinsel-Werkzeug arbeiten. Malen Sie mit einer ziemlich kleinen Pinselspitze auf den Flecken und diese werden automatisch mit den „sauberen“ Pixeln aus der Umgebung zugedeckt.

 

Schritt 5

Nach den kleinen Korrekturen folgt das Glätten der Haut – dazu sollten zuerst die Hautbereiche separiert werden. Wählen Sie das Lasso-Werkzeug mit der Option Der Auswahl hinzufügen und erstellen Sie in mehreren Durchgängen (weil es anders nicht geht) die Auswahl der Gesichtshaut.

 

Schritt 6

Mit Strg+J legen Sie den ausgewählten Bereich auf eine neue Ebene, die Sie mit einem Rechtsklick in ein Smart-Objekt umwandeln können. Da Sie später mit einem Filter arbeiten werden und eventuell die Werte des Weichzeichnungsfilters verändern möchten, sind Sie mit Smart-Objekten gut beraten. Alle Filter, die Sie auf ein Smartobjekt anwenden, werden so ähnlich wie die Einstellungsebenen im Schwebezustand angewendet. Die Einstellungen des Filters können Sie jederzeit aufrufen und verändern.

 

Schritt 7

Wählen Sie Filter>Weichzeichnungsfilter>Gaußscher Weichzeichner. Im Dialog definieren Sie den Radius so, dass die Ebene mit der Gesichtshaut sehr stark weich gezeichnet wird – ca. 30-40 Pixel. Diese Einstellung können Sie später bei Bedarf verändern, dank Smartfilter.

 

Schritt 8

Durch die Weichzeichnung werden die Pixel der Ebene zerstreut und kommen so auf die Bereiche, wo sie nichts zu suchen haben – Augen, Augenbrauen, Mund. Erstellen Sie deshalb auf der Ebene mit der weichgezeichneten Haut eine Maske. Maskieren Sie die Bereiche, wo die Pixel verschwinden sollen, mit einem weichen runden Pinsel, Größe ca. 80 Pixel.

 

Schritt 9

Jetzt können Sie die Fältchen reduzieren. Von vornherein möchte ich aber erwähnen, dass es nicht nötig ist, die Fältchen ganz zu glätten – sie gehören nun einmal zum Gesicht dazu und sollten nur dezent minimiert werden. Leider vergessen das viele Photoshopper und verursachen damit die Invasion der Schaufensterpuppen auf den Titelseiten von Modezeitschriften. Erstellen Sie eine neue leere Ebene über der Ebene Hintergrund. Wählen Sie das Kopierstempel-Werkzeug und aktivieren Sie die Option Aktuelle Ebene und darunter. Das bedeutet, dass die Pixel, die Sie bei gedrückter Alt-Taste von dem Foto aufnehmen, auf die leere Ebene übertragen werden. Das ist definitiv sehr schonend für Pixel.

 

Schritt 10

Sie können mit der Deckkraft der erstellten Ebene experimentieren. Verringern Sie die Deckkraft der Ebene mit den gestempelten Pixeln auf ca. 50%, damit die Hautstrukturen wieder zu sehen sind – so erreichen Sie eine dezente Minimierung der Fältchen.

 

Schritt 11

Führen Sie jetzt die Hautweichzeichnung auf anderen Bereichen durch, wie zum Beispiel Arme, Dekolleté, etc. Wie das geht, haben Sie bereits in den Schritten 5 bis 8 erfahren. Sie sind natürlich nicht gezwungen, immer mit Smart-Filtern zu arbeiten. Wenn Sie sicher sind, dass Sie die Korrekturen nicht mehr ändern wollen, können Sie den Gaußschen Weichzeichner direkt auf die Pixel der ausgewählten Bereiche anwenden.

 

Schritt 12

Beim Weichzeichnen der Haut können einige Ebenen mit separierten Hautbereichen entstehen. Diese können Sie entsprechend benennen – für eine bessere Übersicht in der Ebenenpalette.

 

Schritt 13

Ein weiterer wichtiger Bestandteil der Beautyretusche ist das Scharfzeichnen der Augen. Dazu existieren einige Techniken, die im Grunde alle richtig sind, wenn die Ergebnisse stimmen. Neben der Scharfzeichnung mit den speziell dazu vorgesehenen Filtern und fremden Plug-ins gibt es einige Methoden, die die Schärfe „indirekt“ anwenden. In unserem Fall werden die Augen mit dem Hochpass-Filter nachgeschärft. Klicken Sie die Hintergrundebene an und wählen Sie das Lasso-Werkzeug mit der Option Der Auswahl hinzufügen. Erstellen Sie eine großzügige Auswahl der Augenbereiche.

 

Schritt 14

Mit Strg+J erstellen Sie eine neue Ebene mit dem ausgewählten Bereich (Augen). Konvertieren Sie diese Ebene in eine Smart-Ebene. Wählen Sie Filter>Sonstige Filter>Hochpass. Im Dialog Hochpass definieren Sie den Radius mit ca. 1 bis 1,5 Pixel – ausschlaggebend ist, dass die feinen Strukturen auf dem grauen Hintergrund zur Geltung kommen; diese werden später eine entscheidende Rolle beim Nachschärfen spielen.

 

Schritt 15

Ändern Sie die Ebenenfüllmethode auf Ineinanderkopieren. Dabei entsteht die gewünschte Schärfe der Augen. Da Sie aber auch die Haut rund um die Augen ausgewählt haben, wird diese auch nachgeschärft, und das ist nicht immer vorteilhaft. Erstellen Sie auf der Ebene mit den Augen eine Ebenenmaske und blenden Sie die überflüssigen Pixel aus.

 

Schritt 16

Die Lippenstift-Korrektur ist nicht immer erforderlich, aber Sie möchten bestimmt wissen, wie Sie nicht nur die Farbe, sondern auch die Struktur des Lippenstifts verändern können. Erstellen Sie zuerst eine großzügige Auswahl von dem Mundbereich. Verwenden Sie dazu das Lasso-Werkzeug. Klicken Sie die oberste Ebene der Ebenenpalette an.

 

Schritt 17

Wählen Sie die Einstellungsebene Farbbalance. Nachdem die Einstellungsebene aktiviert wurde, wird aus der Auswahl automatisch eine Ebenenmaske erstellt; nur der ausgewählte Bereich wird von den Einstellungen angesprochen. Verstärken Sie im Bereich Mitteltöne die Werte für Rot und Magenta.

 

Schritt 18

Wählen Sie das Pinsel-Werkzeug mit der kleinen Pinselspitze, ca. 10 Pixel, Härte=0. Bearbeiten Sie die Maske der Einstellungsebene Farbbalance, damit die Kante des Lippenstifts sauber wird.

 

Schritt 19

Durch den Einsatz der Einstellungsebene Farbbalance haben Sie lediglich die Farbe des Lippenstifts verändert, die Struktur blieb vorerst unbeeinflusst. Ändern Sie nun die Ebenenfüllmethode für die Einstellungsebene auf Multiplizieren. Die Lippen werden dunkler und der Lippenstift hat eine interessantere Struktur bekommen – er wirkt nun wie Samt.

 

Schritt 20

Sie können nach dem Ändern der Ebenenfüllmethode auch die Werte im Dialog Farbbalance ändern – vielleicht um einfach auszuprobieren, wie eine völlig andere Farbe als Lippenstift wirkt.

 

Schritt 21

Da auch bei dem Umfärben des Lippenstifts die Regel „weniger ist mehr“ gilt, ist es sinnvoll, die Deckkraft der Einstellungsebene Farbbalance zu reduzieren. Es ist sowieso nicht empfehlenswert, die Farbe des Lippenstifts komplett zu verändern. Dezent anpassen ist immer besser.

 

Schritt 22

Sehr populär sind Effekte wie das Umfärben von Augen. Doch nicht alle Photoshop-Nutzer wissen, dass man die Augenfarbe intensivieren kann, ohne diese zu groß zu verändern und ohne dass die Korrektur unecht wirkt. Erstellen Sie mit dem Lasso-Werkzeug eine großzügige Auswahl von beiden Augen.

 

Schritt 23

Wählen Sie die Einstellungsebene Farbbalance und verstärken Sie im Bereich Mitteltöne die Werte für Cyan und Blau.

 

Schritt 24

Ändern Sie die Ebenenfüllmethode für die Einstellungsebene Farbbalance auf Multiplizieren – die Augen werden deutlich dunkler und der Kontrast wird verstärkt. Reduzieren Sie die Deckkraft der Einstellungsebene auf ca. 40%. Mit dieser Korrektur erreichen Sie, dass die Augen mehr Tiefe und Glanz bekommen. Durch eine minimale Anhebung des Kontrasts wirken die Augen viel besser.

 

Schritt 25

Den Schmuck können Sie auch ins rechte Licht rücken. Besonders bei Schmuck mit Edelsteinen gehen Glanz und Farbintensität nicht selten verloren. Diese können Sie wieder zurückgewinnen. Erstellen Sie zuerst eine großzügige Auswahl von einem der Edelsteine. Vergrößern Sie die Bildansicht, damit Sie mit dem Lasso-Werkzeug bequemer arbeiten können.

 

Schritt 26

Wählen Sie die Einstellungsebene Farbton/Sättigung und erhöhen Sie die Sättigung, die vorerst nur für einen Stein sichtbar ist. Die Kante rund um den Stein ist auch noch nicht optimal; das werden Sie im nächsten Schritt ändern.

 

Schritt 27

Wählen Sie das Pinsel-Werkzeug mit einer kleinen Pinselspitze und korrigieren Sie die Maske zuerst bei dem ersten Stein, den Sie mit Hilfe der Einstellungsebene Farbton/Sättigung intensiviert haben. Wechseln Sie dann die Vordergrundfarbe für das Pinsel-Werkzeug von Schwarz auf Weiß. Mit der weißen Farbe auf der Maske können Sie die Wirkung der Einstellungsebene Farbton/Sättigung auf weitere Steine erweitern. Die Beautyretusche ist somit fertig.

 

Schritt 28

Jetzt ein Tipp, wie Sie aus einem Studiofoto ein Glamourbild à la High-Society-Zeitschrift gestalten können. Zuerst brauchen Sie eine Kopie von allen Ebenen, die Sie auf eine Ebene reduziert haben. Das können Sie mit der Tastenkombination Strg+Alt+Umschalt+E machen.

 

Schritt 29

Jetzt können Sie die Person auf dem Foto freistellen. Verwenden Sie die Freistellungstechnik Ihrer Wahl. In unserem Beispiel wurde die Frau mit dem Zeichenstift-Werkzeug zuerst grob freigestellt. Die genaue Freistellung der Haare und der Boa erfolgte mit Hilfe von Überlagerungen.

 

Schritt 30

Als Hintergrund für das Endfoto diente die Eingangshalle eines Hotels in Las Vegas. Verschieben Sie die Ebene (oder die Ebenen) mit der freigestellten Person in das Foto mit dem Hintergrund.

 

Schritt 31

Definieren Sie die Größe und Position der Ebene (Ebenen) mit der Person in der neuen Arbeitsfläche.

 

Schritt 32

Damit der Hintergrund gegenüber der Person auf dem Foto nicht zu dominant wirkt, ist es sinnvoll, die Helligkeit anzupassen. Außerdem können Sie mit der Einstellungsebene Tonwertkorrektur erreichen, dass auch die Kontraste gesenkt werden. Um die Kontraste zu verringern, bewegen Sie die Regler im Bereich Tonwertumfang leicht Richtung Mitte.

 

Schritt 33

Um eine harmonische Wirkung der Bildkomposition zu erreichen, können Sie über der Ebene mit der Person eine Einstellungsebene Farbton/Sättigung erstellen. Diese Einstellungsebene soll mit einer Schnittmaske ausgestattet werden, damit die Korrekturen nur auf die Ebene mit der Person beschränkt werden. Passen Sie im Dialog den Farbton und die Sättigung der Ebene mit der Person an die Farbgegebenheiten der Hintergrundebene an. Sie können natürlich auch umgekehrt die Farben und Sättigung des Hintergrundes an die der Person anpassen.

Autor: Pavel Kaplun

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