Comicstyle – ein Porträt im Stil eines Filmplakats

Ihr kennt bestimmt viele Beispiele für den sogenannten Comicstyle oder Fotos, die „à la Dragan“ gestylt sind – diese Art der Bildbearbeitung ist momentan stark im Trend. Doch für eine starke Wirkung reicht es nicht, das Bild mit den weiter unten beschriebenen Techniken zu bearbeiten; das Motiv muss stimmen und vor allem die Beleuchtung. In unserem Beispiel wurde das Foto im Studio geschossen. Der junge Mann wurde vorher entsprechend präpariert – damit die Wassertropfen auf der Haut überzeugend wirken, sollte der Körper zuerst mit Melkfett oder Ähnlichem eingerieben werden; erst dann bleiben die Tröpfchen „haften“ und wirken auf dem Foto besonders gut. Und nun kommen wir zur Beschreibung des gesamten Ablaufs von der Aufnahme im Studio bis zu der aufwendigen Postproduktion in Photoshop.

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Aufnahme im Studio Für die Aufnahme wurde ein schwarzer Hintergrund genommen – besonders gut für Körperaufnahmen – die Haut wirkt auf dem dunklen Hintergrund viel besser als auf dem hellen. Zum Ausleuchten des Models wurden drei Blitzköpfe benutzt, die mit Softboxen ausgestattet wurden. Auf dem Schema können Sie die genauen Daten sehen, die die Leistung der Blitzköpfe und die Einstellungen der Kamera beschreiben. Natürlich handelt es sich dabei um ca.-Werte – denn nicht nur die Gegebenheiten im Studio spielen eine große Rolle, sondern es ist auch nicht unerheblich, welchen Hauttyp das Model hat. Hellere Haut braucht weniger Licht als dunklere, der Abstand vom Fotografen bis zum Model ist auch unterschiedlich. Zum Glück können Sie schon am Vorschaubild Ihrer Digitalkamera grob beurteilen, ob das Foto richtig ausgeleuchtet ist. Zu Analogzeiten war ein Belichtungsmesser bei solchen Aufnahmen unentbehrlich. Als Aufnahmeformat nehmen Sie am besten RAW – so haben Sie mehr Möglichkeiten, bei der Entwicklung in die gewünschte Richtung zu gehen.

 

 

Postproduktion Die ersten 4 Schritte in der Postproduktion beziehen sich auf die Verarbeitung der RAW-Dateien. Diese können Sie befolgen, wenn Sie mit eigenen Bildern arbeiten. Die downloadbare Beispieldatei des Porträts ist eine JPEG-Datei – wenn Sie diese benutzen, fangen Sie gleich bei Schritt 5 an.

Schritt 1

Öffnen Sie das Bild im RAW-Konverter Ihrer Kamera oder in Photoshop. Korrigieren Sie die Beleuchtung des Bildes mit den Reglern Belichtung, Helligkeit und Kontrast und erhöhen Sie die Klarheit auf ca. +50. Dadurch werden die Kontraste der Haut verstärkt und der Körper wirkt fast dreidimensional.

 

Schritt 2

Bei Aufnahmen wie in unserem Beispiel wird absichtlich auf die korrekten Farben verzichtet. Die Farbskala wird in die Richtung blaugrün verschoben; somit erreichen Sie eine interessante Wirkung, die man mit alten Kinofilmen vergleichen kann, bei denen die Farben einen leichten Farbstich hatten – ein Technicolor-Feeling pur. Verschieben Sie nun die Regler Temperatur und Farbton nach links und reduzieren Sie den Wert für Dynamik auf ca. -25.

 

Schritt 3

Wenn Sie den Regler Fülllicht auf ca. 20-30 setzen, bekommen Sie die dunkleren Bereiche der Haut besser ausgeleuchtet. Dabei wird das Bild allgemein etwas heller. Die verloren gegangenen Kontraste in den helleren Bereichen können Sie kompensieren, indem Sie den Regler Schwarz leicht nach rechts bewegen (ca. 10).

 

Schritt 4

Wechseln Sie im RAW-Entwicklungsmodul zu der Palette Details. Jetzt geht es um die Bildschärfe. Damit Sie die Schärfe richtig beurteilen können, sollte die Ansicht auf 100% vergrößert werden. Für Porträts setzen sich die Richtwerte so zusammen: Betrag ca. 50-60, Radius ca. 0,5-1,0, Detail ca. 30-40. Öffnen Sie das Bild nun in Photoshop.

 

Schritt 5

Beginnen Sie mit den Korrekturen der Gesichtshaut. Wählen Sie das Ausbessern-Werkzeug und bearbeiten Sie die Stellen mit Pickeln und Flecken, bis diese komplett verschwunden sind. Alternativ können Sie das Bereichsreparaturpinsel– oder Reparaturpinsel-Werkzeug benutzen. Auch mit dem Klassiker, dem Kopierstempel-Werkzeug, können Sie die Hautkorrekturen durchführen.

 

Schritt 6

Auch die Korrekturen der Haut auf dem Körper sollen nicht zu kurz kommen. In unserem Beispiel wurde das Ausbessern-Werkzeug benutzt, da die Wassertröpfchen auf der Haut nicht beschädigt werden sollten (mit z.B. dem Bereichsreparaturpinsel-Werkzeug kann es passieren, dass die Struktur der Tropfen verloren geht).

 

Schritt 7

Jetzt kommt eine etwas aufwendige Prozedur: In diesem und den nachfolgenden Schritten wird der Körper „dreidimensional“ gemacht. Einige Bereiche werden dunkler gemacht. Durch die Verstärkung des Kontrasts erreichen Sie bessere Formen. Erstellen Sie in der Ebenenpalette eine neue leere Ebene und füllen Sie diese mit 50% Grau.

 

Schritt 8

Ändern Sie die Ebenenfüllmethode auf Weiches Licht. Das Bild sieht noch genauso aus wie im Originalzustand.

 

Schritt 9

Wählen Sie das Pinsel-Werkzeug mit einem weichen Pinsel, Größe ca. 300 Pixel, schwarzer Vordergrundfarbe und Deckkraft ca. 20-30%.

 

Schritt 10

Malen Sie mit dem Pinsel auf den dunklen Stellen – diese werden dadurch zusätzlich abgedunkelt und der Kontrast wird verstärkt. Wenn Sie ein Grafiktablett benutzen, können Sie durch die Änderung des Drucks auf den Stift feinere oder dickere Striche machen. Da die Deckkraft des Pinsels reduziert wurde, können Sie durch mehrfaches Auftragen der schwarzen Farbe den Kontrast weiter erhöhen.

 

Schritt 11

Mehr Bodystyling erreichen Sie mit der Einstellungsebene Fotofilter (alternativ kann die Einstellungsebene Farbbalance oder Farbton/Sättigung verwendet werden – Sie wissen, in Photoshop führen mehrere Wege nach Rom). Definieren Sie im Dialog Fotofilter die Option Farbe und wählen Sie im Farbwähler eine grünblaue Farbe. Setzen Sie die Dichte des Fotofilters auf 50%.

 

Schritt 12

Ändern Sie die Ebenenfüllmethode für die Einstellungsebene Fotofilter auf Weiches Licht und deaktivieren Sie die Option Luminanz erhalten. Der Körper bekommt durch diese Anpassung eine angenehme Bräune.

 

Schritt 13

Sollte die Bräune zu stark ausgefallen sein, was durchaus möglich ist, können Sie die wirkung des „Selbstbräuners“ mit dem Regler Deckkraft reduzieren. Werte um ca. 40-50% sind meistens genau richtig.

 

Schritt 14

Damit die Wassertröpfchen auf der Haut besser zur Geltung kommen, wird eine besondere Methode angewandt. Erstellen Sie zuerst eine Sammelkopie von allen bereits erstellten Ebenen auf einer Ebene mit der Tastenkombination Strg+Alt+Umschalt+E. Wählen Sie dann Filter>Sonstige Filter>Hochpass und stellen Sie im Dialog Hochpass einen Radius ein, bei dem die Struktur der Tropfen auf dem grauen Hintergrund der Vorschau gut sichtbar ist. In unserem Beispiel wurde der Radius 2 Pixel verwendet.

 

Schritt 15

Ändern Sie die Ebenenfüllmethode auf Strahlendes Licht – die Tropfen werden kristallklar. Das passiert durch zusätzliches Aufhellen der hellen Bereiche; bei den Wassertropfen sind das die Lichtreflexe.

 

Schritt 16

Einige Bereiche der Haut sollten von der Wirkung der Hochpassebene verschont bleiben: Das sind die Bereiche ohne Wassertröpfchen. Erstellen Sie auf der Ebene mit dem Hochpass eine Ebenenmaske und blenden Sie die Bereiche mit dem Pinsel-Werkzeug und schwarzer Farbe an den gewünschten Stellen aus.

 

Schritt 17

Bei den nächsten Farbkorrekturen geht es nicht mehr um die Verstärkung des Kontrasts, sondern tatsächlich um die Einfärbung des Bildes. Die bläuliche Verfärbung ist gewollt und wird Teil des Stylings für das später erstellte Werbeplakat sein. Erstellen Sie an der obersten Stelle in der Ebenenpalette die Füllebene Volltonfarbe, die Sie mit mittelblauer Farbe füllen.

 

Schritt 18

Ändern Sie für diese Füllebene die Ebenenfüllmethode auf Weiches Licht – die Farbe wird auf die darunterliegenden Ebenen projiziert.

 

Schritt 19

Reduzieren Sie die Deckkraft der Füllebene Volltonfarbe auf ca. 70%. Da die Füllebene keine endgültige Korrektur ist, können Sie die Farbe jederzeit neu definieren oder anpassen.

 

Schritt 20

Das Porträt, welches Sie jetzt für ein Werbeplakat verwenden werden, ist fertig. Sie brauchen jetzt eine Kopie des Bildes auf einer Ebene. Diese können Sie mit der Tastenkombination Strg+Alt+Umschalt+E erstellen – dieser Vorgang ist Ihnen schon bekannt.

 

Schritt 21

Erstellen Sie eine neue Datei mit einer Arbeitsfläche, die das Seitenverhältnis 2:1 hat. Die Auflösung soll 300 Pixel/Zoll betragen – optimal für den Druck.

 

Schritt 22

Füllen Sie die Hintergrundebene der neuen Datei mit schwarzer Farbe und übertragen Sie die Ebene mit dem Porträt in die neue Datei. Wenn Sie beim Übertragen mit dem Verschieben-Werkzeug die Umschalt-Taste gedrückt halten, wird die Ebene mit dem Porträt genau in der Mitte der neuen Arbeitsfläche landen.

 

Schritt 23

Da die Farbe des Hintergrundes bei dem Porträt zwar dunkel ist, aber dennoch nicht schwarz, wird die Grenze zwischen dem Porträt und dem schwarzen Hintergrund sichtbar. Erstellen Sie auf der Ebene mit dem Porträt eine Ebenenmaske und maskieren Sie mit einem großen weichen Pinsel die Kante der Ebene, sodass diese nicht mehr ins Auge sticht.

 

Schritt 24

Erstellen Sie jetzt die Überschrift in der Arbeitsfläche mit der Schrifttyp Ihrer Wahl. Die Schrift bleibt aber nicht einfach so stehen. Mit den nachfolgenden Korrekturen wird diese zu einer Art Neon-Werbung gemacht.

 

Schritt 25

Zuerst wird die Schrift mit einer Kontur versehen. Laden Sie dazu die Auswahl der Schrift: Klicken Sie bei gedrückter Strg-Taste auf die Ebenenminiatur der Textebene. Erstellen Sie über der Textebene eine neue leere Ebene.

 

Schritt 26

Wählen Sie Bearbeiten>Kontur füllen. Im Dialog Kontur füllen definieren Sie die Breite von 15 Pixel (abhängig von der Textgröße kann auch die Stärke der Kontur stärker oder schwächer sein) und wählen Sie gelbe Farbe. Die Position setzen Sie auf Mitte.

 

Schritt 27

Der Text wird weiter mit dem Weichzeichnungsfilter bearbeitet. Wie Sie vielleicht schon wissen, kann das nicht ohne Weiteres auf der Textebene gemacht werden. Daher soll die Textebene zuerst gerastert werden. Klicken Sie mit der rechten Maustaste auf die Textebene und wählen Sie die Option Text rastern.

 

Schritt 28

Den gerasterten Text können Sie mit Filter>Weichzeichnungsfilter>Gaußscher Weichzeichner bearbeiten. Wählen Sie im Dialog Gaußscher Weichzeichner einen Radius von ca. 50-60 Pixel.

 

Schritt 29

Damit der Text so aussieht, als ob er sich hinter der Figur des Mannes befindet, sollten einige Bereiche der Ebene mit dem weichgezeichneten Text und der Ebene mit der Kontur maskiert werden. Damit Sie die Arbeit nicht doppelt machen, ist es sinnvoll, die beiden Ebenen in eine Ebenengruppe zusammenzufügen.

 

Schritt 30

Erstellen Sie auf der Ebenengruppe eine Gruppenmaske und maskieren Sie mit dem passenden Pinsel die Bereiche, die auf der Figur des Mannes liegen.

 

Schritt 31

Damit der Hintergrund nicht so eintönig wirkt (zwar ist schwarz sehr edel, aber wenn Sie ein Kino-Feeling in Ihrem Plakat erreichen wollen, sollten Sie doch ein bisschen Leben in den Hintergrund bringen), wird das Bild mit einer Szene aus New York in der Arbeitsfläche versehen. Die Ebene mit dem NY-Foto können Sie ganz oben in der Ebenenpalette positionieren.

 

Schritt 32

Verringern Sie die Deckkraft der Ebene mit NY auf ca. 40%.

 

Schritt 33

Maskieren Sie die Bereiche der Ebene mit NY in der Mitte, da, wo die Figur des Mannes zu sehen ist. Sie können die Maskierung entweder mit einem großen Pinsel machen oder mit dem Verlaufswerkzeug auf folgende Art durchführen: Definieren Sie als Vordergrundfarbe Weiß und Hintergrundfarbe Schwarz im Farbwähler. Füllen Sie die Maske der Ebene NY mit schwarzer Farbe mit dem Tastaturbefehl Strg+Löschtaste. Erstellen Sie zwei Maskierungsverläufe von den Seiten in Richtung Mitte.

 

Schritt 34

Das NY-Foto soll jetzt nur noch in der Farbe an die Figur des Mannes angepasst werden. Erstellen Sie über der Ebene NY eine Einstellungsebene Farbbalance mit einer Schnittmaske. Verstärken Sie in den Bereichen Mitteltöne und Lichter die Werte für Cyan und Blau – das Bild wird bläulich eingefärbt und alles in allem wirkt das Plakat jetzt sehr harmonisch.

Autor: Pavel Kaplun

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