Beethoven Remixed – witzige Geschichte in Photoshop inszenieren

Ihr habt bestimmt schon einige Gemälde im Museum betrachtet und habt diese im Kopf neu interpretiert. So ging es mir, als ich das Bild von Beethoven sah. Ich habe mir vorgestellt, was der große Komponist sagen würde, wenn er einige Musiker unserer Zeit träfe, deren musikalische Begabung äußerst fragwürdig ist. Wenn wir nur an die Talentshows denken, die in letzter Zeit unsere Fernsehschirme überschwemmen, dann sehnt man sich nach den Zeiten, wo das Kino noch ohne Ton war – man konnte sich einige misslungene Töne ersparen. Nun, ich habe mir überlegt, die Geschichte mit Beethoven zu inszenieren.

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Die „Zutaten“ für die Komposition fand ich ziemlich schnell. Vor ein paar Jahren war ich in Riga, wo ich meinen Freund Viesturs Links traf, der übrigens auch Fotograf ist; seine Werke sind sehr bekannt. Ich bat Viesturs, in einer Kirche Orgel zu spielen, oder zumindest so zu tun, als ob. So entstanden ein paar Fotos, und eins davon nahm ich für die Collage. Dazu kamen ein Hintergrundbild, erstellt aus den Strukturen, die ich auf Mallorca fotografiert habe, ein Bilderrahmen vom Flohmarkt, ein Foto vom Zigarettenrauch, wo ich den Rauch freigestellt habe – die Arbeit konnte beginnen …

Schritt 1

Wie bereits erwähnt wurde, ist bei so einem Bildcomposing die Idee sehr wichtig. Wenn Sie schon eine Story im Kopf haben, fällt Ihnen die Suche nach den passenden „Zutaten“ leichter. Diese drei Komponenten sind die Grundsteine, auf denen die Bildkomposition „Beethoven remixed“ aufgebaut wird. Als Arbeitsfläche wurde das Bild mit dem strukturierten Hintergrund verwendet.

 

Schritt 2

Beginnen Sie mit der Neuinterpretation des Klassiker-Gemäldes. Zuerst werden die Augen neu ausgerichtet. Erstellen Sie in der Ebenenpalette eine neue Ebene und malen Sie auf dieser Ebene mit dem Pinsel-Werkzeug die Augen zu, sodass nur das Augenweiß bleibt. Die Farbe von dem Augenweiß können Sie mit dem Farbaufnahme-Werkzeug von dem Original nehmen und die Augen mit einem kleinen Pinsel „dicht machen“.

 

Schritt 3

Zu den Augen kommen wir etwas später. Erst wird der „unzufriedene“ Mund des Komponisten kreiert. Klicken Sie die Ebene Hintergrund an und wählen Sie mit dem Lasso-Werkzeug den Mundbereich. Die Auswahl können Sie großzügig machen. Legen Sie mit Strg+J den ausgewählten Bereich auf eine neue Ebene.

 

Schritt 4

Aktivieren Sie mit dem Werkzeug Verzerren den Transformationsrahmen. Jetzt können Sie der Ebene jede beliebige Form geben. Biegen Sie den Mund so, dass er „unzufrieden“ aussieht.

 

Schritt 5

Klicken Sie erneut auf die Hintergrundebene und wählen Sie ein Auge aus. Dazu können Sie wieder das Lasso-Werkzeug benutzen. Erstellen Sie wieder mit der Tastenkombination Strg+J eine Kopie des ausgewählten Bereiches auf einer neuen Ebene.

 

Schritt 6

Drehen Sie die Ebene mit dem Auge um 180°, so wie es auf dem Screenshot gezeigt ist. Aktivieren Sie den Transformationsrahmen mit der Tastenkombination Strg+T – jetzt können Sie an einem Eckanfasser drehen, bis die gewünschte Neigung erreicht ist.

 

Schritt 7

Aktivieren Sie auf der Ebene mit dem Auge eine Ebenenmaske. Wählen Sie das Pinsel-Werkzeug mit einer kleinen Pinselspitze und maskieren Sie auf der Ebene mit den Augen alles außer dem Augapfel. Damit Sie bequemer arbeiten können, vergrößern Sie die Bildansicht auf ca. 100-200%.

 

Schritt 8

Erstellen Sie auch von dem zweiten Auge eine Kopie auf einer separaten Ebene und drehen Sie das Auge ebenfalls um.

 

Schritt 9

Auch hier können Sie mithilfe der Ebenenmaske und dem Pinsel-Werkzeug alles außer dem Augapfel maskieren. Das Porträt des Komponisten, neu interpretiert, ist fertig und kann als eine Kopie auf eine neue Ebene gelegt werden. Benutzen Sie dazu die Tastenkombination Strg+Alt+Umschalt+E. Die Ebene, in der alle Ebenen auf eine reduziert sind, können Sie später in die Collage übertragen.

 

Schritt 10

Öffnen Sie das Bild mit dem Orgelspieler. Die Figur des Mannes soll samt Orgel freigestellt und auf eine neue Ebene als Kopie gelegt werden. Da das Bild aber sehr dunkel ist und die Kanten nicht besonders gut zu erkennen sind, ist es ratsam, eine Einstellungsebene Tonwertkorrektur über die Pixelebene zu legen. Mit der Einstellungsebene Tonwertkorrektur werden Sie das Bild aufhellen. Bewegen Sie im Bereich Tonwertspreizung den mittleren und den rechten Regler nach links, bis die gewünschte Helligkeit erreicht ist.

 

Schritt 11

Die Freistellung können Sie mit dem Zeichenstift-Werkzeug machen. Die Optionen für das Zeichenstift-Werkzeug sind: Pfade, Pfadbereich erweitern und Gummiband. Vergrößern Sie die Ansicht des Bildes auf 200-300%, damit Sie beim Freistellen die Kante gut treffen können. Benutzen Sie ein Grafik-Tablett, falls Sie eins haben. Damit wird die Freistellung schneller und einfacher.

 

Schritt 12

Verschieben Sie die Ebene mit dem freigestellten Orgelspieler (und natürlich mit seiner Orgel) in die Arbeitsfläche mit dem strukturierten Hintergrund und passen Sie bei Bedarf die Größe der Ebene durch Transformation an. Die Position des Orgelspielers in der neuen Arbeitsfläche sollte ungefähr so aussehen. Sinnvoll ist es, für den Orgelspieler gleich eine Ebenengruppe in der Ebenenpalette zu erstellen. Für die Korrekturen an der Ebene werden einige Einstellungsebenen benötigt und es ist übersichtlicher, wenn thematisch verwandte Ebenen in der Ebenenpalette in einer Gruppe liegen.

 

Schritt 13

Das Gesicht des Orgelspielers können Sie selektiv aufhellen. Erstellen Sie über der Ebene mit dem Orgelspieler eine Einstellungsebene Tonwertkorrektur. Im Dialog Tonwertkorrektur können Sie mit dem mittleren und rechten Regler im Bereich Tonwertspreizung die Ebene vorerst komplett aufhellen. Füllen Sie dann die Maske der Einstellungsebene Tonwertkorrektur mit schwarzer Farbe, damit diese vorübergehend deaktiviert ist, und malen Sie mit weißer Farbe über dem Gesicht, damit dort die Einstellungsebene wirken kann. Benutzen Sie zum Demaskieren eine große Pinselspitze mit weichen Kanten.

 

Schritt 14

Auf die gleiche Art, allerdings mit einer kleineren Pinselspitze, können Sie das Augenweiß auf dem Bild mit dem Orgelspieler aufhellen.

 

Schritt 15

Für eine bessere räumliche Wirkung sollten die Kanten der Ebene des Mannes abgedunkelt werden. Dunkeln Sie mit einer Einstellungsebene Tonwertkorrektur vorerst die ganze Figur ab, maskieren Sie dann die Einstellungsebene und blenden Sie die Stellen ein, die auf dem Screenshot mit den Pfeilen gekennzeichnet sind. Sie können die Deckkraft des Pinsels variieren, damit die Schattierungen feiner dosiert werden können.

 

Schritt 16

Der Rücken des Mannes wird ziemlich stark abgedunkelt. Das können Sie ebenfalls mit einer maskierten Einstellungsebene Tonwertkorrektur erreichen. Zum Maskieren nehmen Sie für größere Flächen entweder das Pinsel-Werkzeug mit einer sehr großen Pinselspitze (ca. 500-700 Pixel, weiche Kante), oder Sie benutzen das Verlaufs-Werkzeug mit den Optionen Linearer Verlauf, VordergrundTransparent, Vordergrundfarbe Schwarz.

 

Schritt 17

Bei Composings wie diesem ist es von Vorteil, wenn die Personenfotos stärkere Kontraste haben; so geben Sie dem Bild eine leichte Comic-Style-Note, die in Moment sehr populär ist. Die Verstärkung der Kontraste auf der Ebene mit dem Orgelspieler erreichen Sie mithilfe einer Einstellungsebene Verlaufsumsetzung mit der Option Schwarz-Weiß. Ändern Sie für diese Einstellungsebene die Ebenenfüllmethode auf Weiches Licht und reduzieren Sie die Deckkraft der Einstellungsebene auf ca. 30-40%.

 

Schritt 18

Erhöhen Sie die Sättigung der Ebene mit dem Orgelspieler mit einer Einstellungsebene Farbton/Sättigung; den Bereich mit der Orgel können Sie mit dem Verlaufs-Werkzeug maskieren.

 

Schritt 19

Noch eine kleine Anpassung der Kontraste können Sie mit einer Einstellungsebene Helligkeit/Kontrast erreichen. Wie Sie sehen, können Sie mit unterschiedlichen Einstellungsebenen die selektiven Anpassungen der Pixelebenen erreichen.

 

Schritt 20

Die Originalfrisur des Mannes ist eher unspektakulär. Kein Problem, die Haare können Sie zeichnen. Erstellen Sie in der Gruppe mit dem Orgelspieler eine neue leere Ebene und wählen Sie das Pinsel-Werkzeug mit einer Pinselspitze 1 Pixel, Härte=0. Benutzen Sie zum Zeichnen ein Grafik-Tablett. Das Zeichnen der Haare mit der Maus kann Sie viele Nerven kosten und bringt keine brauchbaren Ergebnisse.

 

Schritt 21

Nachdem Sie die Haare nachgezeichnet haben, können Sie die Haarspitzen realistischer aussehen lassen, wenn Sie diese mit dem Verlaufswerkzeug maskieren. Erstellen Sie auf der Ebene mit den Haaren eine Ebenenmaske und erstellen Sie mehrere Maskierungsverläufe aus verschiedenen Richtungen.

 

Schritt 22

Auf die gleiche Art wie die Haare können Sie auch die Augenbrauen des Mannes gestalten.

 

Schritt 23

„Auf die Tasten hauen, bis die Orgel qualmt“ – unser Musiker nimmt das wörtlich und lässt das Musikinstrument richtig rauchen. Auf dem Bild sollte der Rauch auch sichtbar sein. Öffnen Sie die Datei mit dem freigestellten Rauch und ziehen Sie die Ebene mit dem Rauch in die Gestaltung. Ändern Sie die Ebenenfüllmethode für die Ebene mit dem Rauch auf Negativ multiplizieren.

 

Schritt 24

Sie können auch die zweite Ebene mit dem Rauch einfügen. Diese sollte allerdings ein wenig verformt werden, weil geklonte Objekte in einer Collage nicht sehr gut wirken.

 

Schritt 25

Im Moment sieht das Bild noch ziemlich flach und „zusammengeklebt“ aus. Der Hintergrund sollte deshalb angepasst werden. Erstellen Sie hinter der Ebenengruppe mit dem Orgelspieler einige Anpassungsebenen, mit denen Sie die Struktur des Hintergrundes an einigen Stellen abdunkeln. Den Schatten hinter der Orgel und hinter dem Mann erstellen Sie am besten auf einer neuen leeren Ebene, wo Sie mit einem großen Pinsel die Form malen, die einem Schatten ähnlich ist. Mithilfe der Masken können Sie die Form des Schattens gut anpassen.

 

Schritt 26

Nun kann auch das Beethoven-Bild, welches wir vorher präpariert haben, in die Gestaltung integriert werden. Erstellen Sie auch für den Komponisten in der Ebenenpalette eine Ebenengruppe, weil nicht nur das Bild selbst, sondern auch einige Anpassungsebenen und die Ebene mit dem Rahmen dazu kommen.

 

Schritt 27

Fügen Sie in die Gestaltung die Ebene mit dem freigestellten Rahmen ein und passen Sie die Größe und die Position des Rahmens dem Beethoven-Bild an. Zum Transformieren benutzen Sie die Tastenkombination Strg+T, mit der Sie den Transformationsrahmen aktivieren. Die Ebene kann damit skaliert und gedreht werden.

 

Schritt 28

Da der Originalrahmen von der Farbe her nicht ganz zu unserer Gestaltung passt, können Sie die Farbe des Rahmens neu definieren. Erstellen Sie zuerst über der Ebene mit dem Rahmen eine Einstellungsebene Schwarzweiß, mit dem Sie die alte Farbe „löschen“, und darüber eine weitere Einstellungsebene Farbbalance, mit dem Sie den Rahmen „goldig“ machen, indem Sie die Werte für Gelb und Eot im Bereich Mitteltöne anheben. Natürlich können Sie auch alles mit der Einstellungsebene Schwarzweiß erreichen, wenn Sie die Option Farbton einschalten und eine passende Färbung für den Rahmen wählen.

 

Schritt 29

Durch die Veränderung der Farbe des Rahmens ist der Kontrast etwas zurückgegangen. Das können Sie kompensieren, indem Sie die Ebene mit einer weiteren Einstellungsebene Tonwertkorrektur bearbeiten. Bewegen Sie im Bereich Tonwertspreizung die äußeren Regler Richtung Mitte – der Kontrast wird steigen.

 

Schritt 30

Hinter dem Bild können Sie einen Schatten erstellen. Erzeugen Sie in der Ebenenpalette eine neue leere Ebene und machen Sie eine Auswahl in der Form des Bildes mit Rahmen mit dem Polygonlassso-Werkzeug. Füllen Sie die Auswahl mit schwarzer Farbe und heben Sie dann die Auswahl mit der Tastenkombination Strg+D auf. Das erstellte Rechteck können Sie mit Filter>Weichzeichnungsfilter>Gaußscher Weichzeichner bearbeiten, sodass der Schatten diffuser wird.

 

Schritt 31

Zuletzt können Sie über das gesamte Bild eine künstliche Vignette erstellen. Diese können Sie mit einer maskierten Einstellungsebene Tonwertkorrektur erzeugen.

 

Schritt 32

Als Abschluss Ihrer Gestaltung können Sie dem Bild eine leicht wärmere Tönung verpassen. Erstellen Sie ganz oben in der Ebenenpalette die Einstellungsebene Schwarzweiß mit der Option Farbe. Wählen Sie zum Färben eine leichte Sepiatönung und reduzieren Sie die Deckkraft der Einstellungsebene Schwarzweiß auf ca. 33%. Damit erreichen Sie nicht nur die Tönung, das ganze Bild bekommt durch die Reduktion der Farbintensität einen antiken Look.

Autor: Pavel Kaplun

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