Vexel Art

Vexel ist eigentlich keine neue Erfindung. Eigentlich ist Vexel eine Abkürzung aus Vektor und Pixel – ganz einfach. In letzter Zeit liegt die Art der Bildbearbeitung, bei der die Pixel mit Vektoren nachgezeichnet werden, stark im Trend. Kaum eine Zeitschrift kommt heute ohne vektorbasierte Abbildungen aus. In diesem Tutorial möchte ich Ihnen ein paar Techniken zeigen, mit denen Sie ein Foto in Photoshop in eine Vektor-Illustration umwandeln können. Sinnvoll ist dabei, ein Grafik-Tablett zu benutzen, so sparen Sie viel Zeit und arbeiten genauer. Als Beispiel habe ich absichtlich kein Porträt einer schönen jungen Dame genommen, denn solche Vexel-Art-Bilder gehören schon zu den Arbeiten, die man machen sollte, wenn die Vexel-Technik richtig „sitzt“. Natürlich ist die unten gezeigte Technik nicht die einzige Möglichkeit, Vektorbilder zu erstellen, aber, wie ich denke, eine der einfachsten.

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Neben Photoshop können Sie Vexel-Art auch in Illustrator machen. Dort gibt es sogar eine Nachzeichnen-Funktion, die Ihre Arbeit zum Teil automatisieren kann, aber das ist eine andere Geschichte und nicht das Thema dieses Tutorials. Und noch etwas: Neben dem Trendfaktor haben Vexel-Bilder eine ganz nützliche Eigenschaft. Sie können beliebig vergrößert werden, ohne dass die Konturen dabei unscharf werden – logisch. Wir arbeiten nicht mit Pixeln, sondern mit Formen, die mit Vektoren umschrieben werden und diese können problemlos skaliert werden.

Schritt 1

Zum Vergleich habe ich die Vorher-Nachher-Bilder nebeneinandergestellt, damit Sie den ganzen Umfang der Arbeit sehen können. Für den Anfänger ist das schon eine ziemlich aufwendige Aufgabe, aber mit jedem Vexel-Bild sammeln Sie Erfahrung und werden besser und schneller. Tipp: Wenn Sie ein Vexelbild erstellen möchten, duplizieren Sie das Original, um während der Arbeit Farben und Formen des Vektorbildes mit dem Original vergleichen zu können.

 

Schritt 2

Beginnen Sie mit dem Nachzeichnen der Konturen des Bildes von oben nach unten. In unserem Fall ist das wichtig, da wir die Feder-Struktur des Vogels berücksichtigen müssen. Wählen Sie das Lasso-Werkzeug und zeichnen Sie den oberen Teil des Schnabels nach.

 

Schritt 3

Mit einem Rechtsklick wählen Sie die Option Arbeitspfad erstellen.

 

Schritt 4

Im darauf folgenden Dialog wählen Sie die Toleranz. Für kleine Details ist eine kleine Toleranz von ca. 1-3 optimal, dann wird der Pfad genau nach der Auswahl erstellt und wird vom Programm nicht willkürlich vereinfacht.

 

Schritt 5

Der Schnabel des Vogels ist nicht einfarbig, sondern hat einige Farben, die Sie in der Vektor-Version mit einem Verlauf darstellen können. Wählen Sie in der Ebenenpalette die Option Verlauf zum Füllen des Pfades.

 

Schritt 6

Wählen Sie zuerst die Verlaufsart Schwarz zu Weiß und definieren Sie den passenden Winkel im Dialog Verlaufsfüllung.

 

Schritt 7

Den Verlauf, der im Moment schwarz-weiß ist, können Sie mit beliebigen Farben ausstatten. Doppelklicken Sie auf den Verlaufsbalken und definieren Sie im Dialog Verläufe bearbeiten die Farben Rot und Gelb, wie das auf dem Screenshot gezeigt ist.

 

Schritt 8

Auf die gleiche Art, wie in den Schritten 2 bis 7 beschrieben, können Sie auch den unteren Teil des Schnabels erstellen. Achten Sie auf die Reihenfolge der Ebenen. Das Prinzip der Ebenenpositionierung ist denkbar einfach. Die Ebene mit dem unteren Teil des Schnabels liegt unter der Ebene mit dem oberen Teil.

 

Schritt 9

Erstellen Sie auf dem oberen und unteren Teil des Schnabels einige Formen, die die Struktur des Schnabels unterstreichen. Diese können Sie mit dem Lasso-Werkzeug erstellen und in einen Pfad umwandeln.

 

Schritt 10

Die erstellten Formen werden nicht mit Verläufen, sondern mit einer Farbe gefüllt. Wählen Sie dazu in der Ebenenpalette die Option Volltonfarbe.

 

Schritt 11

Auf dem Screenshot sehen Sie, aus wie vielen Füllebenen die vektorisierte Version des Schnabels besteht. Der Mund wurde mit schwarzer Farbe gefüllt. Im Grunde kann man hier Schluss machen mit den Erklärungen, denn die Techniken werden sich jetzt mehr oder weniger wiederholen. Das wäre aber nicht fair, denn es gibt noch einige Tipps, die Ihre Arbeit erleichtern werden, und diese möchte ich Ihnen nicht vorenthalten.

 

Schritt 12

Für eine bessere Übersicht ist es sinnvoll, die Füllebenen, die thematisch zueinander passen, in Ebenengruppen zu vereinigen. Die Ebenen, aus denen der Schnabel besteht, können Sie bei gedrückter Umschalt-Taste markieren und mit der Tastenkombination Strg+G in eine Gruppe zusammenfügen. Benennen Sie die Gruppe "Schnabel".

 

Schritt 13

Klicken Sie die Hintergrundebene an und erstellen Sie eine Auswahl des Kopfes des Vogels mit dem Lasso-Werkzeug. Benutzen Sie für das Lasso-Werkzeug die Option Der Auswahl hinzufügen, damit Sie die Form nicht in einem Durchgang auswählen müssen, sondern die Auswahl bequemer abschnittsweise erstellen können. Wandeln Sie die Auswahl in einen Pfad um, wählen Sie eine Toleranz von 2. Füllen Sie die Form mit blauer Farbe.

 

Schritt 14

Wenn Sie mit der Form des Pfades nicht zufrieden sind, können Sie an den Ankerpunkten des Pfades ziehen und die Form anpassen. Wählen Sie dazu das Direktauswahl-Werkzeug und das  Pfadauswahl-Werkzeug.

 

Schritt 15

Damit die gezeichnete Form des Kopfes nicht die weiteren Details wie Augen und das Gefieder verdeckt, können Sie die Deckkraft der Füllebene vorübergehend auf ca. 50% reduzieren.

 

Schritt 16

Zeichnen Sie die Formen mit etwas hellerer blauer Farbe oben und hinten auf dem Kopf. Achten Sie darauf, dass die Ebenen, die zu dem Kopf gehören, nicht über die Ebenengruppe mit dem Schnabel kommen.

 

Schritt 17

Das Gefieder auf dem Kopf des Vogels können Sie mit der gleichen Technik machen. Zeichnen Sie mit dem Lasso-Werkzeug mehrere kleine „Federn“ (Option Der Auswahl hinzufügen) und wandeln Sie dann alle zusammen in einen Pfad um. Füllen Sie dann den Pfad mit einer dunkelblauen Farbe.

 

Schritt 18

Wenn Sie alle Formen des Kopfes fertig haben, können Sie die Deckkraft der untersten Ebene mit dem Kopfumriss wieder auf 100% setzen. Vereinigen Sie die Ebenen des Kopfes in einer Ebenengruppe.

 

Schritt 19

Beginnen Sie mit dem Gestalten der Augen. Damit Sie unter der Gruppe mit dem Kopf alles auf dem Originalbild erkennen können, reduzieren Sie die Deckkraft der ganzen Gruppe Kopf auf ca. 30-50%. Erstellen Sie die dunklere Formen unter den Augen.

 

Schritt 20

Erstellen Sie die Form des Augapfels, die Sie mit dunkelroter Farbe füllen.

 

Schritt 21

Gestalten Sie weitere Formen wie die Pupille, die mit Schwarz gefüllt wird, einen Lichtreflex in der Pupille, den Sie mit weißer Farbe füllen können. Verbinden Sie die Ebenen des Auges in einer weiteren Ebenengruppe.

 

Schritt 22

Wie bereits beschrieben, gestalten Sie die Ebenen, mit denen Sie den Hals des Vogels vektorisieren.

 

Schritt 23

Bei den Details, wo es besonders bunt wird, wie zum Beispiel bei der Brust des Vogels, können Sie ein bisschen tricksen. Erstellen Sie zuerst die Grundform, so wie Sie das bei dem Kopf gemacht haben, dann die Form mit dem Gefieder, welche Sie mit etwas dunklerer Farbe füllen.

 

Schritt 24

Duplizieren Sie dann die Ebene mit der Struktur noch dreimal. Skalieren Sie die Kopien der Füllebene mit der Struktur, verschieben Sie diese etwas gegenüber der ersten Ebene mit der Struktur und ändern Sie die Farbe der Füllung, indem Sie auf die Ebenenminiatur der Füllebene doppelklicken. Wenn Sie mit dem Verteilen der Strukturen fertig sind, können Sie die Ebenen in eine Ebenengruppe zusammenfügen.

 

Schritt 25

Bei den größeren Federn können Sie sich die Arbeit auch erleichtern, indem Sie mit Kopien der Füllebenen arbeiten. Erstellen Sie zuerst eine Füllebene mit der Form einer Feder und mit einem Verlauf von hellgrün zu dunkelgrün.

 

Schritt 26

Machen Sie von der Füllebene eine Kopie und verschieben Sie diese an eine andere Stelle. So können Sie eine große Anzahl von geklonten Federn erschaffen. Damit diese nicht zu gleich aussehen, können Sie einige Formebenen mit dem Befehl Frei transformieren drehen.

 

Schritt 27

Verbinden Sie die Federn-Ebenen in einer Ebenengruppe.

 

Schritt 28

Damit die Feder etwas mehr Struktur bekommen, können Sie einen weiteren Trick anwenden. Duplizieren Sie die Ebenengruppe mit den Federn und verkleinern Sie diese so, dass die Struktur der Federgruppe dem Original gegenüber etwas verschoben wird.

 

Schritt 29

Erstellen Sie auf der Ebenengruppe mit den skalierten Federn eine Ebenenmaske und wählen Sie das Verlaufswerkzeug mit der Option Vordergrund-Transparent, Vordergrundfarbe Schwarz. Ziehen Sie einen Maskierungsverlauf, wie das mit dem Pfeil auf dem Screenshot gezeigt ist.

 

Schritt 30

Wie Sie sehen, können Sie auf die in den vergangenen Schritten beschriebene Art die ganze Gestaltung des Vogel und des Astes in Vektoren umwandeln. Wichtig ist, die Ebenenstruktur durch Ebenengruppen zu unterteilen; dadurch haben Sie eine bessere Übersicht.

 

Schritt 31

Um den Hintergrund des Bildes zu gestalten, benutzen Sie die gleichen Techniken, die ich in diesem Tutorial beschrieben habe. Wenn Sie das Eigene-Form-Werkzeug benutzen, können Sie auf die Photoshop-Bibliothek zurückgreifen, wo viele interessante Muster für Ihre Gestaltung zur Verfügung stehen. Außerdem können Sie auch eigene Muster speichern und diese benutzen.

 

Schritt 32

Wenn Sie vermeiden wollen, dass eine Form, die über der anderen liegt, deren Grenzen überschreitet (in unserem Beispiel ist das eine frei gezeichnete Form, die nicht über die Grenzen des Quadrats gehen soll), benutzen Sie die Option Schnittmaske, die Sie durch das Klicken zwischen zwei Ebenen bei gedrückter Alt-Taste aktivieren können.

 

Und so sieht das fertige Bild aus.

Autor: Pavel Kaplun

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