Bildcomposings erstellen im Sin-City-Look

Viele kennen den Film „Sin City“, der allein schon durch die Aufnahmetechnik sehr auffällig ist. Der Film wirkt wie ein gut gezeichneter Comic, allerdings ist die Fotografie des Films so raffiniert, dass der Zuschauer vorerst raten muss: Ist der Film schwarz-weiß oder in Farbe, was ist ein Film und was wurde „dazu“gezeichnet …? Auf jeden Fall ist der Streifen sehr inspirierend und hat viele Photoshopper zum Nachahmen gebracht mit mehr oder weniger großem Erfolg. Es sind bereits einige Fotos im Netz zu sehen, die den sogenannten „Sin City-Look“ haben und durchaus Szenen aus dem Film sein könnten. Natürlich ist nicht nur die Technik dabei wichtig, sondern auch das Motiv. Es nutzt euch kein Look, wenn ihr ein Kätzchen fotografiert und dann à la Sin City in Photoshop bearbeitet. Deshalb wurde für unser Beispiel eine Collage aus Fotos gemacht, die schon im Originalzustand ziemlich „kriminell“ wirken. Mit ein paar Effekten wurde die Collage so präpariert, dass sie einigen Szenen aus dem Film sehr ähnlich wirkt. Lernt nun in diesem Tutorial die wichtigsten Techniken und macht diese Collage selbst nach. Sowohl die Anleitung als auch das Bildmaterial steht euch bei PSD-Tutorials.de zur Verfügung.

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Schritt 1

Wenn Sie die fertige Collage anschauen, stellen Sie fest, dass es gar nicht so viele Details gibt, aus denen das Bild besteht. Die Details sollten aber sorgfältig vorbereitet und freigestellt werden, damit sie alle zusammen zu einer Einheit werden und nicht „zusammengeklebt“ wirken. Beginnen wir mit dem Auto, welches in einem amerikanischen Museum fotografiert wurde. Das Auto passt thematisch und perspektivisch sehr gut zu unserer Montage, hat aber leider zu viele Spiegelungen auf der Oberfläche. Diese sollten minimiert werden. Da das Auto sich auf der Collage im Hintergrund, in einer ziemlich dunklen Ecke befindet, können Sie die Spiegelungen ziemlich schnell entfernen.

 

Schritt 2

Erstellen Sie in der Datei mit dem Auto in der Ebenenpalette eine neue leere Ebene und malen Sie die Stellen mit den Spiegelungen mit dem Pinsel-Werkzeug einfach zu. Wählen Sie die Farbe für das Pinsel-Werkzeug bei gedrückter Alt-Taste und bemalen Sie die Spiegelungen. Die Werkzeugspitze des Pinsels sollte weiche Kanten haben und kann ca. 100 Pixel groß sein.

 

Schritt 3

Bemalen Sie nicht nur die Karosserie, sondern auch die Scheiben des Fahrzeugs. Denn auch dort können Sie keine Spiegelungen gebrauchen. Wenn Sie die Flächen alle zugemalt haben, können Sie die Ebene mit der Farbe mit dem Filter>Weichzeichnungsfilter>Gaußscher Weichzeichner mit ca. 30 Pixel bearbeiten. So wirkt die gemalte Farbe etwas dezenter und fällt nicht sofort auf.

 

Schritt 4

Nachdem Sie die Spiegelungen minimiert haben, können Sie von den zwei Ebenen eine Kopie mit Strg+Alt+Umschalt+E machen und das Auto mit dem Zeichenstift-Werkzeug mit einem Pfad ausstatten, den Sie dann in eine Auswahl umwandeln. Natürlich können Sie das Auto auch mit dem Lasso freistellen – wie es Ihnen besser gefällt.

 

Schritt 5

Achten Sie beim Freistellen darauf, dass alle Details in die Auswahl mit übernommen werden. Es wäre sehr ärgerlich, wenn das Auto z.B. ein Rad zu wenig hätte. Das freigestellte Auto speichern Sie im PSD-Format, wo das Auto sich auf einer separaten Ebene befindet.

 

Schritt 6

Stellen Sie auch den Mann mit der Pistole frei. Da er im Studio auf einem weißen Hintergrund fotografiert wurde, können Sie sich die mühsame Freistellung mit dem Zeichenstift-Werkzeug sparen und können den Hintergrund mit Auswahl>Farbbereich auswählen. Im Dialog Farbbereich wählen Sie den Hintergrund mit zwei Pipetten aus, bis dieser komplett weiß ist und der Mann als schwarze Silhouette auf dem Vorschaubild zu sehen ist.

 

Schritt 7

Kehren Sie die Auswahl mit Strg+Umschalt+I um und wählen Sie die Option Auswahl>Kante verbessern. Wählen Sie den schwarzen Vorschau-Hintergrund aus und passen Sie die Kante so an, dass keine weißen Ränder mehr zu sehen sind.

 

Schritt 8

Wenn die Kante angepasst wurde, können Sie den Mann freigestellt auf eine neue Ebene legen. Das geht am schnellsten mit der Tastenkombination Strg+J.

 

Schritt 9

Die Ebene mit dem Mann können Sie schon in die Datei mit dem Hintergrund übertragen. Die Datei Hintergrund wird auch die Arbeitsfläche unserer Bildkomposition. Wenn die Ebene mit dem Mann in der neuen Arbeitsfläche liegt, können Sie die Kanten der Ebene überprüfen und eventuell verbliebene Reste von dem Studiohintergrund mit dem Pinsel-Werkzeug auf der Maske, die Sie auf der Ebene erstellen können, wegretuschieren.

 

Schritt 10

Übertragen Sie auch das freigestellte Auto in die neue Arbeitsfläche und positionieren Sie die Bildelemente so, wie das auf dem Screenshot gezeigt ist.

 

Schritt 11

Da das Auto in einem hellen Raum fotografiert wurde, sollte dieses in Helligkeit und Kontrast an die neue dunkle Umgebung angepasst werden. Das können Sie mit einer Einstellungsebene Tonwertkorrektur machen, die mit einer Schnittmaske ausgestattet ist. Die Position der Regler können Sie auf dem Screenshot sehen.

 

Schritt 12

Damit das Auto nicht in der Luft schwebt, sondern auf dem Fußboden steht, sollte unter dem Auto ein Schatten erstellt werden. Diesen können Sie z.B. mit einer maskierten Einstellungsebene Tonwertkorrektur machen. Erstellen Sie unter der Ebene mit dem Auto eine Auswahl mit dem Polygonlasso-Werkzeug wie auf dem Bild.

 

Schritt 13

Wählen Sie die Einstellungsebene Tonwertkorrektur – die Auswahl wird in eine Maske umgewandelt – und dunkeln Sie die ausgewählte Fläche ab: Bewegen Sie den mittleren Regler im Bereich Tonwertspreizung nach rechts.

 

Schritt 14

Bearbeiten Sie die Maske der Einstellungsebene Tonwertkorrektur mit dem Gaußschen Weichzeichner, bis die Fläche wie ein Schatten wirkt und keine harte Kanten hat – als Wert für den Gaußschen Weichzeichner können Sie ca. 10-15 wählen.

 

Schritt 15

Genauso kann der Schatten unter dem Mann erstellt werden. Machen Sie zuerst eine Auswahl mit dem Lasso-Werkzeug. Diese können Sie freihändig, wie auf dem Bild gezeigt, machen.

 

Schritt 16

Mit einer weiteren Einstellungsebene Tonwertkorrektur dunkeln Sie den Fußboden unter dem Mann ab.

 

Schritt 17

Die Weichzeichnung des Schattens erfolgt ebenfalls mit dem Gaußschen Weichzeichner, allerdings kann es sein, dass Sie einen größeren Radius brauchen, ca. 30-40 Pixel. Probieren Sie die Wirkung des Weichzeichners einfach aus, bis Sie mit den Ergebnissen zufrieden sind.

 

Schritt 18

Nachdem der Schatten erstellt wurde, kann es sein, dass die Schuhe des Mannes zu hell sind. Diese können Sie mit dem Nachbelichter-Werkzeug abdunkeln.

 

Schritt 19

Jetzt wird das Auto „lebendig“ und fahrbereit gemacht. Zuerst sollen die Scheinwerfer „eingeschaltet“ werden. Erstellen Sie zwei kreisförmige Auswahlbereiche mit dem Auswahlellipse-Werkzeug. Dass das Auto keine erkennbaren Scheinwerfer hat, spielt keine Rolle, das wird später nicht wichtig sein.

 

Schritt 20

Erstellen Sie über der Ebene mit dem Auto eine neue leere Ebene und füllen Sie die Kreise mit weißer Farbe.

 

Schritt 21

Heben Sie die Auswahl auf und bearbeiten Sie die weißen Formen mit dem Gaußschen Weichzeichner, sodass tatsächlich der Eindruck entsteht, dass die Scheinwerfer leuchten. Ein Radius von ca. 15-20 Pixel sollte bei der Weichzeichnung ausreichend sein.

 

Schritt 22

Für eine glaubwürdige Darstellung der Scheinwerfer können Sie diese mit Lichtstrahlen ausstatten. Erstellen Sie in der Ebenenpalette eine weitere leere Ebene und zeichnen Sie mit dem Polygonlasso-Werkzeug eine Form wie auf dem Screenshot gezeigt.

 

Schritt 23

Wählen Sie das Verlaufswerkzeug mit der Option Vordergrund-Transparent und erstellen Sie mit weißer Farbe zwei Verläufe in die Richtungen, die mit den Pfeilen gezeigt sind. Die sollen ziemlich kurz sein.

 

Schritt 24

Heben Sie die Auswahl auf und bearbeiten Sie die Ebene mit dem Lichtstrahl mit dem Filter Bewegungsunschärfe. Sie können den Winkel 0° nehmen und einen sehr großen Abstand, ca. 350 Pixel, damit der Strahl sehr diffus wirkt.

 

Schritt 25

Das rechte Ende des Strahls können Sie abschwächen. Erstellen Sie auf der Ebene mit dem Strahl eine Ebenenmaske und wählen Sie das Verlaufswerkzeug. Ziehen Sie auf der Maske einen Verlauf von rechts nach links, damit das rechte Ende des Strahls abgeschwächt wird.

 

Schritt 26

Duplizieren Sie die Ebene mit dem Strahl (Tastenkombination Strg+J). Positionieren Sie die Ebenen mit den Strahlen so, dass der hintere Strahl sich hinter dem Mann befindet und der vordere davor. So erreichen Sie mehr Bildtiefe.

 

Schritt 27

Den vorderen Strahl können Sie ein bisschen verformen. Aktivieren Sie den Transformationsrahmen mit Strg+T und wählen Sie mit einem Rechtsklick die Option Verzerren. Jetzt können Sie den Strahl so verformen, wie Sie möchten. Wenn Sie den Strahl ein bisschen kürzer machen als den hinteren, wirkt er besser.

 

Schritt 28

Damit das Bild logisch aufgebaut wird, soll der Eindruck entstehen, dass der Mann von hinten mit den Scheinwerfern des Autos beleuchtet wird. Das können Sie problemlos simulieren. Erstellen Sie unter der Ebene mit dem Mann eine neue leere Ebene. Laden Sie die Auswahl des Mannes, indem Sie auf die Ebenenminiatur bei gedrückter Strg-Taste klicken. Füllen Sie die Auswahl auf der neu erstellten Ebene mit weißer Farbe. Heben Sie die Auswahl mit Strg+D auf.

 

Schritt 29

Bearbeiten Sie die weiße Fläche mit dem Gaußschen Weichzeichner mit einem Radius von ca. 60 Pixel, sodass diese anfängt zu „glühen“.

 

Schritt 30

Zusätzlich bearbeiten Sie die Fläche mit dem Filter Bewegungsunschärfe mit einem großen Wert für den Abstand, ca. 700 Pixel, und einer leichten Neigung gegen den Uhrzeigersinn, ca. 4°.

 

Schritt 31

Erstellen Sie auf der Ebene mit der weißen Fläche eine Ebenenmaske und maskieren Sie mit dem Verlaufswerkzeug die Fläche von rechts nach links.

 

Schritt 32

Jetzt wird es Zeit, in dem Bild einige Rauchschwaden zu erstellen. Da wir keine Nebelmaschine haben, bleibt uns nichts anderes übrig, als in die Photoshoptrickkiste zu greifen. Öffnen Sie das Bild mit dem Himmel und verschieben Sie dieses in Ihre Gestaltung über alle in der Ebenenpalette enthaltenen Ebenen.

 

Schritt 33

Ändern Sie die Ebenenfüllmethode auf Ineinanderkopieren und maskieren Sie die Bereiche, wo der Rauch nicht besonders gut wirkt, zum Beispiel auf dem Gesicht des Mannes.

 

Schritt 34

Wenn Sie die Plakate des Films „Sin City“ gesehen haben, können Sie sich bestimmt daran erinnern, dass diese fast schwarzweiß sind. Aber nur fast. Wählen Sie in der Ebenen- oder in der Korrekturen-Palette die Einstellungsebene Schwarzweiß. Aktivieren Sie die In-Bild-Korrekturen-Option. Bewegen Sie die Maus mit gedrückter Maustaste auf dem Gesicht des Mannes, sodass dieses etwas dunkler wird.

 

Schritt 35

Damit das Bild etwas Farbe zurückbekommt, reduzieren Sie die Deckkraft der Einstellungsebene Schwarzweiß auf ca. 70%.

 

Schritt 36

Der Ledermantel des Mannes ist in Moment noch zu blass und passt daher nicht zu dem Rest des Bildes. Erstellen Sie über der Ebene mit dem Mann eine Einstellungsebene Tonwertkorrektur mit einer Schnittmaske. Verschieben Sie den weißen und den schwarzen Regler im Bereich Tonwertspreizung in Richtung Mitte, so wie das auf dem Screenshot zu sehen ist. Der Kontrast der Ebene mit dem Mann wird dadurch angehoben. In Bereichen wie Gesicht, Beine, Schuhe können Sie die Einstellungsebene maskieren, falls Sie dort die Anhebung des Kontrasts nicht wünschen.

 

Schritt 37

Mit einer Einstellungsebene Tonwertkorrektur, die nur an den Bildkanten wirkt (den Rest können Sie maskieren), kann eine künstliche Vignette erzeugt werden, die bei Fotos dieser Art immer von Vorteil ist.

 

Schritt 38

Um effektvoll Wind zu simulieren, können Sie schon wieder in die Trickkiste greifen. Öffnen Sie das Bild mit der Struktur und übertragen Sie diese in Ihre Gestaltung. Die Ebene mit der Struktur sollte ganz oben in der Ebenenpalette liegen. Drehen Sie die Ebene so, wie das auf dem Screenshot gezeigt ist.

 

Schritt 39

Bearbeiten Sie die Ebene mit dem Filter Bewegungsunschärfe. Wählen Sie einen Abstand von ca. 250 Pixel und als Winkel ca. 7°.

 

Schritt 40

Ändern Sie die Ebenenfüllmethode für die Strukturebene auf Hartes Licht.

 

Schritt 41

Transformieren Sie die Ebene mit der Option Verzerren, sodass die „Wind“-Linien effektvoll zur Geltung kommen. Probieren Sie aus, bei welcher Verformung die Struktur am besten wirkt.

 

Schritt 42

Maskieren Sie die Kanten der Ebene mit dem Verlaufswerkzeug, sodass der Windeffekt nur in der Mitte des Bildes zu sehen ist.

 

Schritt 43

Erstellen Sie über alle in der Ebenenpalette enthaltenen Ebenen eine Einstellungsebene Schwarzweiß mit der Einstellung Maximales Schwarz. Reduzieren Sie die Deckkraft der Ebene auf ca. 50%.

 

Und so sieht das fertige Bild aus:

Autor: Pavel Kaplun

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