Papier ist heutzutage ein ganz selbstverständliches Medium geworden, um Notizen darauf zu machen, Gedanken und Ideen festzuhalten, zu zeichnen und zu schreiben. Dabei wird gerne vergessen, dass es lange Wege brauchte, bis unser Papier in der heutigen Form und Vielfalt existierte und wie viele Eigenschaften ein Papier eigentlich ausmachen.
Dieser Artikel soll diese Thematik durchleuchten und die faszinierende Komplexität, die Papier innewohnt greifbar machen. Aufgrund der unglaublichen Tiefe wird jedoch darauf verzichtet, jeden Aspekt bis ins Detail zu behandeln. In erster Linie richtet sich der Artikel an den Einsatz von Papier im Druck und wird an gegebener Stelle auf weitere Quellen verweisen.
1. Entwicklung des Papiers
Papier galt seit jeher als Träger von Informationen. Bevor es in China 105 nach Christus in seiner heute bekannten Form erfunden wurde, waren es Steinplatten, Tierhäute, Blätter, Papyrus und andere flächige und ebene Objekte, die als Projektionsmedium dienten.
Die Chinesen revolutionierten die Papierproduktion, indem sie aus Fasern des Maulbeer- und Bambusrohrbaumes mit Wasser zu einem Brei mischten. Dieser wurde durch ein Sieb abgeschöpft und die dabei entstehende dünne Schicht Faserbrei trocknete und verklebte zu dem, was wir als Papier kennen.
Mitte des 8. Jahrhunderts begann die Papierproduktion in der arabischen Welt, von wo aus sie durch kulturelle Kontakte mit den westeuropäischen Ländern zu uns gelangte. Das bis dato verwendete Pergament verlor seine Stellung gegenüber dem deutlich günstiger produzierbaren Papier und wurde zu einem Luxusschreibmaterial. Die erste Papiermühle in Deutschland wurde 1389 von Ulman Stormer in Nürnberg erbaut.
2. Eigenschaften von Papier
Das Papier nicht gleich Papier ist erkennt man im einfachsten Fall an den vielen verschiedenen Varianten, die dem Office-User angeboten werden. Schweres Papier, glänzendes Papier, verschiedene Arten an Photopapieren. Die Oberflächenbeschaffenheit beeinflusst die aufgetragene Farbe in starkem Maße. Doch auch der physikalische Aufbau des Papiers ist maßgeblich für die entstehenden Ergebnisse. Spätestens bei der Betrachtung der hier verantwortlichen physikalischen Eigenschaften wird schnell klar, wie komplex sich ein „einfaches“ Blatt Papier doch aufbaut.
Zugfestigkeit (Abbildung 1)
Dieser Wert gibt an, wie stark ein Papier in der Streckung belastet werden kann, bis es zerreist. Einfaches Beispiel, 2 Peronen halten ein Blatt Papier an je einem Ende und ziehen es gerade jeder in seine Richtung. Je schneller es reißt, desto geringer die Zugfestigkeit. Wie stark das papier dabei belastet werden kann hängt unter anderem von der Dicke des Papiers als auch von der Faserlänge ab. Kleiner Schwank: Bei Origami-Faltungen ist ein Kraftpapier, also ein besonders robustes Papier sehr nützlich, da das Papier hier sehr stark belastet wird.
Weiterreißwiderstand (Abbildung 2)
Dieser Wiederstand sagt aus, wie leicht ein Papier, das bereits eine Einrissstelle aufweist, Gefahr läuft, weiter einzureißen.
Berstwiderstand (Abbildung 3)
Der Berstwiederstand ist, wenn man es so ausdrücken kann, das Gegenteil der Zugfestigkeit.
Wird bei dieser das Papier in die Länge gezogen, also parallel zur Papierfläche, so gibt der Berstwiederstand jene Kraft an, die senkrecht auf ein Papier ausgeübt werden muss, um es zum reißen/bersten zu bringen. Im Verpackungsbereich ist dieses Merkmal sehr wichtig.
Porosität (Abbildung 4)
Dieser Wert bestimmt, wie Luftdurchlässig das Papier ist. Dieser für den Normalverbraucher unwichtige Wert beeinflusst ebenfalls die Wärmeleitfähigkeit des Papiers. Dies kann im Offset-Druck, je nach Wert zu Problemen beim Farbauftrag kommen. Durch sogenannten „Hot Offset“ kann der Toner überhitzen und Blasen bilden und Fäden ziehen.
Dies kann sich optisch in großen schwarzen Flächen niederschlagen, die eher dunkelgrau statt schwarz gedruckt werden.
Spaltwiederstand (Abbildung 5)
Der Spaltwiderstand beschreibt die Kraft die aufgewendet werden muss um ein mehrlagiges Papier, wie (Well)Karton in die einzelnen Lagen aufzuspalten. Insbesondere bei Verpackungsmaterial ist das eine sehr wichtige Eigenschaft.
Laufrichtung (Abbildung 6)
Bei der maschinellen Herstellung von Papier legen sich die Papierfasern in eine bestimmte Richtung, welche als die Laufrichtung bekannt ist. Die Kentniss um die Laufrichtung ist wichtig für nahezu jegliche Form der Weiterverarbeitung von Papier. Sei es beim Falzen, beim Rillen, beim Binden von Büchern etc. Das Gegenstück zur Laufrichtung ist die Querrichtung. Gebräuchlich sind auch die Begriffe „Schmalbahn“ für die Laufrichtung und „Breitbahn“ für die Querrichtung. Die Laufrichtung bei Seiten in Büchern geht’s stehts parallel zum Buchrücken, da sich Papier immer quer zur Laufrichtung ausbreitet und die Bidung sonst reißen könnte.
Alterungsbeständigkeit
Beschreibt die Qualität eines Papiers bei steigendem Lebensalter. Sie ist abhängig von den verwendeten Roh- und Hilfsstoffen. Mit der Einführung der maschinellen Produktion von Papier fand ein Wechsel von der Verwendung von Tierleim zu Harzleim statt, was die Alterungsbeständigkeit deutlich verschlechtert hat. Neutral geleimte, mit einer sogenannten „Alkalireserve“ verarbeiteten Papiere weißen die beste Beständigkeit in hohem Alter auf.
Weißgrad
Wer sich einmal verschiedene Papiersorten angesehen hat wird festgestellt haben, das jedes Papier unterschiedlich Weiß ist. Recyclingpapiere haben in der Rgel einen geringeren Weißgrad als „normales“ Papier, welche mit optischen Aufhellern behandelt werden, die jedoch eine ökologische Belastung darstellen.
Der Weißgrad wird in Prozentwerten angegeben. 100% stehen dabei für den höchsten Weißgrad und damit für eine Lichtreflexion von 100%.
Ein interessantes Gloassar zum Thema „Papier“ findet Ihr auf der Seite der Initiative Pro Recyclingpapier unter www.papiernetz.de oder der Agentur Brennecke (www.agentur-brennecke.de/papier-glossar)

- Abbildung 1
Zugfestigkeit 
- Abbildung 2
Weiterreißwiderstand 
- Abbildung 3
Berstwiderstand 
- Abbildung 4
Porosität 
- Abbildung 5
Spaltwiderstand 
- Abbildung 6
Laufrichtung


