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RAW Daten

Autor:
Philip Fuchslocher
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Das RAW-Bildformat, oder auch Camera RAW, welches gerne im gleichen Zug genannt wird ist inzwischen in aller Munde. Mit den digitalen Spiegelreflexkameras hielt es Einzug in die digitale Welt der Fotografie, inzwischen verfügen auch einfachere Kompaktkameras über die Möglichkeit, Bilder in diesem flexiblen und qualitativ hochwertigen Format zu speichern.

Dieser Artikel soll über die Hintergründe, die Vor- und die Nachteile von RAW-Daten informieren sowie die Möglichkeiten aufgreifen, entsprechende Daten in „normale“ Bilder im herkömmlichen Dateiformat zu konvertieren.


1. RAW wie Roh oder...?

RAW. Wieder einmal eine Abkürzung mehr im Dschungel der deutschen Sprache? Ein weiteres unnötiges Apronym? So mag es auf den ersten Blick scheinen, doch in der Tat steht der Name dieses Dateiformats ziemlich genau für das, was er im englischen bedeutet: Roh.
Ein wenig treffender in unserem Fall bietet sich jedoch die Übersetzung „ursprünglich“ an.

Die Bezeichnung verrät also bereits den zentralen Vorteil dieses Dateiformats. Die Bildinformationen, die unser Fotoapparat speichert, werden nicht wie es bisher der Fall war durch kamerainterne Prozesse verarbeitet und ohne unser Zutun geändert, sondern bleiben vorerst noch unangetastet. Die genaue farbliche Anpassung, Schärfung etc. erfolgt erst im Nachhinein durch den Fotografen. Das sorgt natürlich für einen viel präziseren Workflow unter besserer Kontrolle. Sehen wir uns das einmal Schritt für Schritt genauer an.


2. Der Dilemma des "Vergangenen"

Beginnen wir mit dem was Vielen bereits grundlegend bekannt ist. Wir fotografieren ein Motiv mit unserer Kamera, Automatikmodus, fertig. Die Bilder werden per USB auf den Computer gezogen, dort betrachtet und ausgedruckt. Der Fortgeschrittene stellt evtl. vor dem Fotografieren noch die gewünschte Auflösung ein, setzt unter Umständen noch einen korrekten Weißabgleich und unterzieht der Aufnahme später in einem Bildbearbeitungsprogramm grundlegenden Anpassungen.

In beiden Fällen geben wir jedoch die meiste Arbeit in die Hand der Software die in der Kamera integriert ist. Nach dem Auslösen arbeitet diese nämlich diverse Standardprozeduren ab, damit wir eine Sekunde später das fertige Motiv auf dem Display betrachten können.
Von der Farbinterpolation (für nähere Informationen hierzu siehe den Fachartikel „A/D Wandlung“) über die Bildschärfung, Farbraumkonvertierung, Rauschunterdrückung über die Kompression, um hier einen Auszug zu nennen, wird uns jegliche Selbstbestimmung über unser Motiv entrissen. (Abbildung 3) Nun wird sich der Schlaue denken: „Wozu gibt’s denn Photoshop. Das kann ich doch alles korrigieren“. Das stimmt - teilweise.
Allerdings besitzt das JPG Format den großen Nachteil, dass es verlustbehaftet komprimiert. Das bedeutet, die Bilddateien verbrauchen weniger Platz auf der Speicherkarte, nehmen sich diesen Vorteil jedoch auf Kosten der Bildqualität. Artefaktbildung (störende treppenartige Muster im Bild) können je nach Stärke der Komprimierung ein sehr störender Begleiteffekt sein. (Abbildung 1 und 2) Zudem bedeutet jede Anpassung eines Bildes immer einen weiteren Qualitätsverlust.

Neben dem JPG Format bieten viele Kameras auch die Möglichkeit, Bilder im TIFF Format zu speichern. Bis auf eine verlustfreie Kompression (bei dennoch deutlich größeren Dateien als JPGs), weist dieses Format jedoch dieselben Probleme in der Verarbeitung auf.

Genug geredet über die „schlechte Vergangenheit“. So schlimm ist es ja nicht und JPGs haben durchaus Ihre Berechtigung, doch darauf kommen wir später. Widmen wir uns nun den Vorteilen, die das so angepriesene RAW Format mit sich bringt


3. Was macht RAW denn nun besser?

Statt besser sollten wir uns an dieser Stelle fragen: „Was macht RAW denn nicht?“ Der große Vorteil von RAW besteht darin, dass all die im oberen Abschnitt über JPGs genannten automatischen Anpassungen nicht vorgenommen werden. Die Kamera speichert das Motiv genau so, wie der Sensor es erfasst - also im absoluten Rohstadium - (nahezu) ohne jegliche Änderungen seitens der Elektronik.

Alle Bildeinstellungen können über einen so genannten RAW-Konverter, eine Software die vom Kamerahersteller mitgeliefert oder von spezialisierten Anbietern bezogen werden kann, unter genauester Kontrolle getätigt werden. (Hierzu später mehr.)
Die einzigen wichtigen Aufnahmeparameter die vor dem Fotografieren noch zu beachten sind bleiben so die Lichtempfindlichkeit (ISO/ASA), die Blende und die Verschlusszeit.

Der Spitzfindige wird nun kontern: „Aber die Anpassung eines Bildes bedeutet doch wie vier Absätze zurück extra betont immer Qualitätsverlust.“ Dem kann man nicht widersprechen, doch auch hier gibt es Unterschiede. Im Gegensatz zur Aufnahme im JPG Format, wo das Motiv einmal von der Kamera angepasst, dann komprimiert und abermals vom Benutzer angepasst wird, geschieht das Modifizieren des Bildes beim RAW Format nur einmal.

Zudem, und dies ist der weitere große Vorteil des RAW Formates, werden die Bilder hier mit einer höheren Farbtiefe gespeichert. Im Gegensatz zum 8Bit JPG (256 Helligkeitsabstufungen je Farbkanal) speichert das RAW Format mit ca. 10-14 Bit (1024-16.384 Helligkeitsabstufungen je Farbkanal, abhängig vom Kameratyp) ab. Das bedeutet, bei Farbanpassungen, Tonwertkorrekturen etc. kann hier auf einen deutlich gesteigerten Dynamikumfang zurückgegriffen werden. Ein Verlust von Informationen ist weit weniger schlimm als bei den deutlich schmaleren JPGs.


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jpgschwach
Abbildung 1
JPG mit schwacher Komprimierung: Kaum Artefakte
jpgstark
Abbildung 2
JPG mit starker Komprimierung: Es werden deutlich Störungen sichtbar, die durch das Zusammenfassen ähnlicher Farben zu einem Farbwert entstehen.
routinejpg
Abbildung 3
Die verschiedenen Schritte, die ein Bild im JPG Format kameraintern nach dem Auslösen automatisch und unkontrolliert durchläuft. (Von Oben nach Unten)
routineraw
Abbildung 4
Die verschiedenen Schritte, die ein Bild im RAW Format kameraintern nach dem Auslösen automatisch und unkontrolliert durchläuft. (Von Oben nach Unten)