Zur Navigation springen | Zum Inhalt springen
Drucken Favoriten Weitersagen Sitemap

HDR und DRI Aufnahmen

Autor:
Philip Fuchslocher
Artikelbewertung:

Artikel bewerten


Probleme mit dem Artikel?

Zum Forum


Unsere Photoshop-DVD-Empfehlung


Photoshop-Workshop-DVD - Basics & Tricks
Photoshop-Workshop-DVD - Retusche & Composing
Photoshop-Workshop-DVD - Effekte für Layout, Typo & Photo

Photoshop-Workshop-DVD - Webdesign

Jeder Fotograf, dessen Ansprüche ein Stück weit über ein reines „Schnappschussknipsen“ hinausgehen, wird bereits einmal vor dem Problem gestanden haben, eine Szenerie augrund schwieriger Lichtsituationen nicht so festhalten zu können, wie gewünscht. Insbesondere beim Zusammenspiel verschiedener Lichtintensitäten, welche für das menschliche Auge einen zauberhaften Anblick bieten, beißt man sich als Fotograf gerne einmal die Zähne aus.


1. Szenerie

Stellen wir uns zum Beispiel den Innenraum einer Kirche vor. Durch das buntglasige Fenster fallen zart die Sonnenstrahlen und werfen gedämpftes Licht in das düstere Gebäude. Die Seitenschiffe werden spärlich von Kerzen oder schwachen Lichtern beleuchtet und versinken in einer geheimnisvollen, schattenhaften Traumwelt.
Unser menschliches Auge erfasst all diese Unterschiede problemlos. In den schattigen Bereichen erkennen wir nahezu alle Details und auch das lichtdurchflutete Fenster stellt uns im gleichen Moment vor keine Herausforderung. Unser Gehirn ist also in der Lage, diesen gewaltigen Dynamikumfang (helles Sonnenlicht durch das Fenster in direktem Kontrast zu den dunklen Schatten in den Gewölbeecken) ohne große Mühen zu verarbeiten und somit die Lichtstimmung in Ihrer vollen Pracht wahrzunehmen.

Kameras hingegen, sowohl analog als auch digital, haben hier einen entschiedenen Nachteil. Ihre technischen Eigenschaften beschränken die Aufnahme unterschiedlicher Helligkeiten auf einen deutlich geringeren Umfang. Das analoge Medium kann hier ein wenig mehr punkten als der digitale Nachkomme (die Kristalle des Filmes reagieren sensibler auf Helligkeit als bisherige Sensoren einer Digitalkamera, doch langt es bei weitem nicht zu den Leistungen des menschlichen Gehirns. (Im Artikel „RAW Daten – Digitales Wurzelgraben findet Ihr nähere Informationen zum Dynamikumfang bei Kameras).
In der Praxis hat das zur Folge, dass Bilder die sowohl extrem helle als extrem dunkle Bereiche aufweisen, keinesfalls in allen Bildteilen eine optimale Belichtung erfahren können und somit ihren ursprünglichen Reiz verlieren.


2.Praxisanalyse

Betrachten wir uns im folgenden einige Aufnahme aus der Münchner X-Kirche. Abbildung 1 zeigt zwei Ausschnitte aus dem später behandelten Gesamtbildes: Einen Teil des Fensters durch das Licht fällt und einen Bogen, der im Schatten liegt.

Bereich (a) zeigt den Ausschnitt bei korrekter Belichtung des Bogens im Schatten. Wir erkennen alle Details wie gewünscht. Bei dieser Belichtung haben wir jedoch mit dem Problem zu kämpfen, dass der Fensterbereich (c) nun komplett überstrahlt. Gehen wir von der anderen Seite an die Sache herum und belichten das Fenster in einem korrekten, deutlich kürzeren Zeitraum (d) so säuft der Bogen in den Schatten zur Unkenntlichkeit ab (b). Wir stellen also fest, entweder sind die hellen Bereiche wie gewünscht, oder aber die dunklen.
Je nach (Digital)Kameratyp können zwar in begrenztem Maße mehr Helligkeitsabstufungen gespeichert werden als mit anderen, am Ende macht das jedoch keinen sichtbaren Unterschied bei so extremen Unterschieden, wie hier aufgezeigt.


3. Was macht RAW denn nun besser?

Wie es der Name bereits sagt, wird mit dieser Technik der Dynamikumfang eines Bildes erhöht. Wobei auch das eigentlich nicht ganz richtig ist. Nach getaner Prozedur liegt nach wie vor ein 8Bit oder auch 16Bit Bild (im digitalen) vor, im Grunde findet also nur eine Simulation eines erhöhten Dynamikumfangs statt.

Beginnen wir jedoch von vorne. Der erste Schritt für eine DRI Aufnahme besteht darin, das gewünschte Motiv mit verschiedenen Belichtungszeiten aufzunehmen, so dass für jedes Lichtverhältnis ein Motiv mit optimaler Belichtung vorhanden ist. In Abbildung 2 seht Ihr dafür ein Beispiel.

Von Links Oben (sauber belichtetes Fenster) nimmt die Belichtungszeit nach Rechts unten immer mehr zu. Im vierten Bild sind die zuvor sehr dunklen Bereiche des Rundbogens genau erkennbar. Im Einzelnen betrachtet ist jedes Bild nicht zu gebrauchen, im Zusammenspiel jedoch erreichen wir ein „perfektes“ Bild.

In einem Bildbearbeitungsprogramm wie Adobe Photoshop oder auch Corel Photopaint werden die einzelnen Aufnahmen anschließend zu einem Compositing zusammengeführt. Aufgrund der hier vorhandenen Möglichkeit, gezielt Bildbereiche zu wählen, löschen etc., lassen sich aus jedem Bild die optimalen Stellen herausgreifen und miteinander kombinieren. In unserem Beispiel würde sich die erste Aufnahme für das Fenster anbieten, die letzte Aufnahme für die schattigen Rundbogenbereiche und die beiden Aufnahmen dazwischen für eine feine Differenzierung der Mitteltöne, also der Bereiche zwischen hellem Licht und den dunklen Schatten. Das Ergebnis, hier noch leicht in der Farbgebung angepasst, seht ihr in Abbildung 3. Die Unterschiede sind klar erkennbar. Aufgrund der informationsreichen Ausgangsmaterialien lassen sich hier ja nach Belieben andere, individuelle Schwerpunkte in der Dynamik des Bildaufbaus setzen.


Gehe zu Seite

belichtungsraster
Abbildung 1
Belichtungsproblematik bei starken Differenzen.
belichtungsreihe
Abbildung 2
Belichtungsreihe eines Motivs zum Erhalt aller nötigen Detailinformationen in verschiedenen Bildbereichen.
compositing
Abbildung 3
Compositing aus den Motiven der Belichtungsreihe. Das gelbliche Licht wurde noch leicht gestärkt